Ulrich Bielefeld

Nation und Gesellschaft

Selbstthematisierungen in Deutschland und Frankreich
Cover: Nation und Gesellschaft
Hamburger Edition, Hamburg 2003
ISBN 9783930908837
Gebunden, 416 Seiten, 30,00 EUR

Klappentext

Spätestens seit der Französischen Revolution wird moderne Gesellschaft als nationale thematisiert, die sich selbst schafft und ihre innere Struktur und Dynamik aus sich selbst heraus erklären muß. Bis heute ist der nationale Staat die anerkanntepolitische Organisationsform der Gesellschaft, gleichzeitig aber hat sich der Begriff der Gesellschaft von dem der Nation gelöst. Ulrich Bielefeld untersucht die Selbstthematisierungsformen der nationalen Vergesellschaftung anhand der Beispiele Frankreich und Deutschland.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.09.2003

Der Soziologe Ulrich Bielefeld spüre der Herausbildung nationaler Identität ab dem 19. Jahrhundert nach, schöpfe dabei aber laut Kersten Knipp bei weitem nicht seine Möglichkeiten aus. Detailliert beschreibe Bielefeld die Herausbildung von Nationalidentitäten durch Abgrenzung nach außen und innen, versäume es dabei aber leider, diese in die "jeweiligen geschichtlich-politischen Hintergründe" einzubetten. Daher fehle dem Autor die nötige historische Distanz, und er verliere sich in allzu allgemeinen Aussagen, wie der Rezensent bemängelt. Auch bei seinem Ausblick auf zukünftige Konflikte bleibe der Autor weit hinter den Möglichkeiten zurück, indem er nicht berücksichtige, dass diese vor allem von ökonomischen Faktoren geprägt sein werden, nicht aber von überkommenen "pseudotraditionalistischen" Vorstellungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.07.2003

Rezensent Thomas Kreuder zeigt sich sehr beeindruckt von Ulrich Bielefelds Arbeit "Nation und Gesellschaft". Ausgehend von der Frage nach der Gestaltung von Nationen und der Rolle, die Intellektuelle und Dichter dabei spielen, nimmt Bielefeld die selbstreflexive Versicherung der "Wir-Existenz" unter die Lupe, die Dichter und Intellektuelle leisten, berichtet Kreuder. Bielefeld zeige, dass Dichter und Intellektuelle den Spagat vollführten, "die Einheit der Nation zugleich als gegeben vorauszusetzen wie sie als immerwährendes Ziel zu propagieren." Wie Kreuder ausführt, untersucht Bielefeld diese Selbstthematisierung der Nation am Beispiel von Frankreich und Deutschland, wobei er Paare bilde, die er in historische und inhaltliche Beziehung zueinander stelle: Johann Gottlieb Fichte und Maurice Barres, Max Weber und Emile Durkheim, Erich von Salomon und Celine. Ein Vorgehen, das auf Kreuder bisweilen willkürlich wirkt, das seines Erachtens aber den Vorzug hat, dass es verdeckte Entwicklungslinien kenntlich macht. So gelinge es Bielefeld den "dichterisch-militärischen Komplex" als Anstifter von Nationalismus und antisemitischen Ressentiments zu enttarnen. Etwas bedauerlich findet Kreuder, dass die angelsächsische Welt bei Bielefeld außen vor bleibt und auch ein Vergleich mit Einwanderungsländern wie den USA fehlt. Dennoch hat Bielefeld ein Werk vorgelegt, resümiert der Rezensent, "das für künftige Diskussionen zu Nation und Gesellschaft Maßstäbe setzt".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.05.2003

Hartmut Kaelble Urteil über dieses Buch, das die Bedeutung der Nation an den Beispielen Deutschland und Frankreich behandelt, ist zwiespältig. Den Hauptteil des Buches, der sich mit Konzepten der Nation ausgewählter deutscher und französischer Autoren beschäftigt, lobt der Rezensent als gut geschrieben, interessant und durchaus anregend. Insbesondere die "ideengeschichtlichen Verbindungslinien und Interpretationen", die Bielefeld zwischen den einzelnen Autoren aufzeigt, haben ihm gefallen. Dagegen kritisiert Kaelble die Einleitung als "recht gewunden", und als ausgesprochen störend empfindet er den Umstand, dass für die Leser nicht recht ersichtlich werde, was an den Ausführungen in dem Buch neu ist. Als größtes Manko der Studie empfindet er aber, dass die Geschichte der europäischen Nationen "weitgehend ausgespart" werde. Deshalb ist er trotz der Feststellung, dass das Buch eine "kluge, anregende, facettenreiche Diskussion" des Konzepts der Nation bietet, nicht recht zufrieden mit der vorliegenden Untersuchung.
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