Hans-Martin Blitz verbindet in seiner Rekonstruktion des frühen Vaterlandsdiskurses Quellen und Methoden sowohl der Geschichts- als auch der Literaturwissenschaft und gewährt nicht zuletzt dadurch Einblicke in das bisher übersehene Wechselspiel freiheitlicher und aggressiver Momente.
Sehr ausführlich und respektvoll bespricht Iring Fetscher die Buch gewordene Dissertation des jungen Historikers Hans-Martin Blitz, Jahrgang 1967. Bislang galt das 18. Jahrhundert als das Zeitalter des kosmopolitischen Humanismus, dem deutscher Nationalismus fremd war. Daß dies nicht so der Fall war, haben neuere Forschungen bereits vor Blitz behauptet. Blitz jedoch geht weiter, meint Fetscher. Er analysiere Literatur, Flugschriften, Predigten und offizielle Verlautbarungen nicht nur auf bellizistische und fremdenfeindliche Inhalte (insbesondere im antifranzösischen Diskurs), sondern ziehe Traditionslinien und Verbindungen bis zu den chauvinistischen und rassistischen Exzessen des 20. Jahrhunderts. Fetscher bemängelt jedoch gewisse Einseitigeiten in der "zu teleologischen" Wahrnehmung des Autors, der den von ihm kritisierten Intellektuellen des 18. Jahrhunderts nicht immer gerecht werde. Alles in allem jedoch, so Fetscher, eine sehr lehrreiche und anschaulicher Beitrag zur Mentalitätsgeschichte unseres Landes.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.04.2000
Mit einer kleinen gelehrten Abhandlung über den doppelgesichtigen Gott Janus, der für allerlei „Janusköpfigkeit“ als Metapher herhalten muss, beginnt Christian Geulen seine Besprechung. Die Janusköpfigkeit des Nationalismus ist es nämlich, die er als „theoretische Schwäche schlicht nebeneinander gestellter Gegenbegriffe“ auch dem Autor dieses Buches über den deutschen Nationalismus ankreidet. Ob das „Böse“ am Nationalismus ein halbes Jahrhundert früher als bisher behauptet, also im 18.Jahrhundert, schon präsent war, - dies mehr oder weniger seine Zusammenfassung des Buches von Blitz - findet er nicht so wichtig. Vielmehr sei wünschenswert gewesen, dass einer mal „die Dialektik von aufklärerischem Universalismus und bürgerlichem Partikularismus in dieser wichtigen Entstehungsphase des modernen Begriffs der Nation neu entfalte“. Diese Chance hat Blitz nicht ergriffen, aber dennoch ist ihm, so Geulen, eine „beeindruckende, synthetisierende Darstellung der Vaterlandsdiskurse des 18.Jahrhunderts“ gelungen.
Harro Zimmermann ist nicht zufrieden mit dem Buch. Er wirft Blitz vor, eine allzu scharfe These zum "literarischen Nationalismus" im Deutschland des 18. Jahrhunderts zu entwickeln. Blitz wolle einzig nachweisen, dass der deutsche Nationaldiskurs schon damals mit aggressiven Vernichtungsfantasien aufgeladen, dass er "ambivalent" und "nicht unschuldig" gewesen sei - das findet Zimmermann einerseits nicht neu und andererseits hinderlich für das Verständnis der Phänomene. Zwar unterstellt der Rezensent keine aufklärerische Harmlosigkeit des damaligen Naionalismus, aber er wirft Blitz vor, durch Überspitzung an der Komplexität des Themas zu scheitern: "Dieser deutsche Frühnationalismus ist zugleich kosmopolitisch und provinzlerisch verhockt, er ist aufgeklärt und reaktionär in einem."
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