Lukas Potsch

Nullpunkt der Ordnung

Modernes Denken über den Bürgerkrieg
Cover: Nullpunkt der Ordnung
De Gruyter Oldenbourg Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783119145213
Gebunden, 268 Seiten, 79,95 EUR

Klappentext

Nullpunkt der Ordnung widmet sich der bislang wenig erforschten Ideengeschichte des Bürgerkriegs. Der Fokus liegt auf der Entstehung des modernen Bürgerkriegsbegriffs sowie den Wandlungen im Nachdenken über den Bürgerkrieg seit dem 16. Jahrhundert. Dazu wird zunächst gezeigt, dass der Bürgerkrieg seit den Konfessionskriegen, die Europa im 16. und 17. Jahrhundert heimsuchten, zum Gegenbegriff jenes Ordnungsmodells avancierte, das für die Moderne entscheidend wurde: dem Staat. Ausgehend von dieser Geburtsstunde werden die Veränderungen im modernen Bürgerkriegsdiskurs nachgezeichnet. An Denkern wie Thomas Hobbes, Lenin, Carl Schmitt oder Hans Magnus Enzensberger werden verschiedene Modelle, den Bürgerkrieg zu denken, entwickelt und in ihrem historischen Kontext verortet. Deutlich wird, dass der Bürgerkrieg dabei auf unterschiedlichste Weise - als totales Chaos, Kraftquelle oder Modus von Staatlichkeit - erscheinen kann. Die Studie fasst den Bürgerkrieg als eine ordnungs- und polittheoretische Kategorie. Sie zeigt, dass der Bürgerkriegsbegriff keineswegs nur ein Gegenstand für die empirische Konfliktforschung ist. Vielmehr stellt er in seiner spannungsreichen Beziehung zum Staatsbegriff einen zentralen Bestandteil modernen Ordnungsdenkens dar.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.2025

Kluge Gedanken zum Thema Bürgerkrieg enthält dieses Buch laut Rezensent Herfried Münkler. Autor Lukas Potsch untersucht die Nuancen des Begriffs Bürgerkrieg, erfahren wir, wobei er klarstellt, dass es das Phänomen in unserem heutigen Sinne erst seit Beginn der Neuzeit gibt. Münkler stimmt Potsch tendenziell zu, wenn letzterer schreibt, dass erst in der Moderne der Bürgerkrieg als Gegenpol zur staatlichen Ordnung etabliert wird. Mit Blick auf die Moderne unterscheidet Potsch nun wiederum, fasst Münkler zusammen, verschiedene Epochen des Denkens über den Bürgerkrieg, unter anderem eine, die auf die Stabilisierung des Staates gegen den Bürgerkrieg setzt, aber auch eine, die, im Anschluss etwa an Ernst Jünger, sich einen Bürgerkrieg herbeisehnt zwecks Erschaffung eines, Zitat Jünger "neuen Menschen". Wie Potsch hält auch Münkler nicht viel von Carl Schmitts Begriff "Weltbürgerkrieg". Nur, dass der Autor sich nicht mit jüngeren Bürgerkriegen außerhalb Europas beschäftigt, die dem Begriff womöglich neue Facetten hinzufügen, hält der Rezensent für ein Desiderat. Ansonsten ist Potsch hier ein großartiges Buch über die Bedeutungsdimensionen von Bürgerkrieg gelungen, schließt Münkler.

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