Christiane Wiesenfeldt

Musik und Heimat

Cover: Musik und Heimat
Springer Verlag, Heidelberg 2025
ISBN 9783662706572
Gebunden, 300 Seiten, 39,99 EUR

Klappentext

Mit etwa 30 farbigen Abbildungen. Was hat Heimat mit Musik zu tun? Und Musik mit Heimat? Welche Erkenntnisse ermöglichen es, über Heimatmusik jenseits der deutsch-patriotischen Aufladung des Begriffs seit dem 19. Jahrhundert nachzudenken? Kann Musik historisch tief und global breit über sich wandelnde Heimatbilder Auskunft geben? Christiane Wiesenfeldt fragt, ob und in welcher Form Musik seit dem frühen Mittelalter bis heute "Heimat" vermittelt. Dazu durchwandert sie die Musikgeschichte auf der Suche nach Themen, Klängen und Praktiken, die Angebote von Zugehörigkeit formulieren. So wurden schon immer räumliche oder familiäre Verbundenheiten, aber auch Phantasie- oder Sehnsuchtsorte, mythologische oder geistliche Heimaten besungen. Ebenso können Lieder, die Verluste, Krisen oder Einsamkeit thematisieren, in Exil-, Migrations- und Vertreibungssituationen heimatliche Relevanz erlangen. Auch die Instrumentalmusik hat Teil an der klanglichen Modellierung von Heimat, indem sie mit Fremdheit, Nationalthemen oder Naturstimmungen immer wieder neu umgeht.Die Frage nach Heimat kann so als vielseitiges analytisches Instrument sichtbar werden, um einen ganz wesentlichen Aspekt von Musik und ihrer Geschichte besser zu verstehen: ihre unmittelbare Nähe zu menschlichen Bedürfnissen nach Verbundenheit, aber auch den Missbrauch dieser Bedürfnisse in nationalistischen und rechtspopulistischen Kreisen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2026

Imponierende Materialsammlung ja, schlüssige Argumentation eher nein: Auf diese Wertung läuft die Besprechung hinaus, die Rezensent Wolfgang Matz Christiane Wiesenfeldts Buch über Musik und Heimat zukommen lässt. Von der deutschen Klassik bis zu Liedern von Arbeitsmigranten und der deutschen Nationalhymne reichen die zahlreichen Beispiele für eine Verbindung von Heimatgefühl und Musik, die Wiesenfeldt zusammenträgt. So weit so gut - wobei Matz durchaus schon Einwände hat, was das Korpus betrifft, denn wo sind hier Biergartenlieder oder auch die Heimatbezüge der amerikanischen Popmusik? Das größere Problem besteht aber im Heimatbegriff, den die Autorin viel zu weit fasst. Dass ein Mensch zwei Heimaten haben kann, wie Wiesenfeldt etwa in Bezug auf ein Schubert-Lied ausführt, mag Matz nicht so recht glauben; zumindest hätte so etwas besser argumentatorisch abgesichert werden müssen, die bloße Definition von Heimat über ein "Grundbedürfnis nach Zugehörigkeit" reicht ihm nicht aus. Man kann insofern in diesem Buch zwar viele schöne Anregungen zum Thema finden, eine schlüssige Verbindung von Heimat und Musik macht die Autorin jedoch leider nicht ausfindig, so das skeptische Fazit.

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