Ulrich Beck

Der eigene Gott

Von der Friedensfähigkeit und dem Gewaltpotential der Religionen
Cover: Der eigene Gott
Verlag der Weltreligionen, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783458710035
Gebunden, 275 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Alle Weltreligionen sehen sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts radikalen Transformationen ausgesetzt, alle Weltreligionen ebenso wie alle kulturellen Schöpfungen und Symbole existieren gleichzeitig nebeneinander und stehen meist, herausgelöst aus ihren zeitlichen und räumlichen Kontexten, offen für eine allgemeine Verfügbarkeit, für fundamentalistische oder individuelle Aneignungen. Globalisierung bietet nicht nur die große Chance für die Weltreligionen, sich aus den territorialen Bindungen der Nationalgesellschaft und des Nationalstaates zu lösen und ihre transnationalen Dimensionen, Netzwerke und Imaginationen von "Gemeinschaft" neu zu entdecken und wiederzubeleben. Zugleich werden auf diese Weise auch wechselseitig die Monopolansprüche in Frage gestellt. Die Weltreligionen sehen sich dazu gezwungen, im grenzenlosen Raum massenmedialisierter Öffentlichkeit und Nachbarschaft miteinander konkurrieren und kommunizieren zu müssen. Das post-säkulare Zeitalter hat den Modernitätsstreit zwischen Religionen und Säkularismen zu überwinden zugunsten einer Zivilisierung der Zivilisation. Wie steht der Einzelne, als religiöser oder als nicht-religiöser Bürger, wie stehen Christen, Juden und Muslime zum "Geist" der Weltgesellschaft?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.07.2008

Friedrich Wilhelm Graf findet Ulrich Becks soziologischen Blick auf die Religionen nicht immer überzeugend. Zwar attestiert er dem Autor zahlreiche "kluge Beobachtungen" zum konfliktgeladenen Wandel der Religionen in der Gegenwart. Lobend äußert er sich auch über Becks selbstkritische Ausführungen zu den Grenzen der Soziologie im Blick auf die Erfahrung von Religion. Aber er hebt hervor, dass die Idee einer Individualisierung der Religion, die Beck in die Formel vom "eigenen Gott" kleidet, keineswegs neu, sondern seit Schleiermacher bekannt sei. Kritisch betrachtet er insbesondere die Ausführungen zum Thema Toleranz und Gewalt der Religionen. Offen bleibt für ihn hier, "wie sich unter den Bedingungen intensivierter globaler Glaubenskommunikation neue Polarisierung mit harter wechselseitiger Abgrenzung verhindern lässt". Generell hält er dem Autor vor, die Dynamik antagonistischer Religionskulturen zu unterschätzen und die zahlreichen Religionsrisiken der Gegenwart nicht ernst genug zu nehmen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.07.2008

Nicht immer einverstanden ist Gregor Maria Hoff mit Ulrich Becks soziologischer Ortsbestimmung der Religion in der Gegenwart. Etwas "eigenwillig" scheint ihm, wie der Autor die Neuformatierung der Religionen unter dem Stichwort des "eigenen Gottes" fasst. Dabei suche Beck zu zeigen, dass die Säkularisierungsthese modifiziert werden müsse, dass Religion nicht aussterbe, sondern individualisiert werde. Kritisch äußert sich Hoff insbesondere über Becks Plädoyer für eine Form religiöser Toleranz, die nicht auf Wahrheit, sondern auf Frieden zielt. Zwar decke der Autor zu Recht die Schwächen der religiösen Traditionen auf. Aber er unterschätzt in Hoffs Augen ihre Stärken, nämlich "Säkularität und Säkularisation reflexiv aufzulisten, Individualisierung kritisch zu justieren oder die in Rede stehenden Probleme von Gewalt, Gerechtigkeit und Frieden mit religiösen Konzepten zu bearbeiten".
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