Die Sozialwissenschaften reden ganz selbstverständlich von Global Governance, obwohl es (noch) keinen Weltstaat und auch keine Weltregierung gibt. Dennoch hat sich eine Weltgesellschaft in nuce herausgebildet, die eigene, globale Formen der Regierung und der Selbststeuerung anstelle staatszentrierter politischer Steuerung hervorbringt. Dies geschieht wesentlich mittels Organisationen, Institutionen und Regelsystemen neuen Typs (etwa WTO, BIZ, UN), in die verschiedene Mechanismen der gesellschaftlichen Steuerung (Markt, Recht, Solidarität, Wissen) eingebettet sind. Der Band führt in die verschiedenen Debatten um Global Governance ein, diskutiert Grenzen und Möglichkeiten einzelner Formen gesellschaftlicher Steuerung in der Weltgesellschaft und zeichnet exemplarisch die Entstehung neuer Regimes globaler Steuerung nach. Dabei wird gezeigt, dass die entscheidende Herausforderung in der Steuerung der globalen Wissensgesellschaft liegt.
Angetan berichtet Rezensent Niels Werber über Hellmut Willkes Arbeit, die sich mit dem Phänomen globalen Regierens befasst. Die Ausführungen des Soziologen über heute schon existierende Steuerungen transnationaler Prozesse durch kollektive Akteure wie multinationale Organisationen, Institutionen und Agenturen wertet Werber als überaus instruktiv. Ebenso die Darstellung zunehmender medialer Integration als Voraussetzung globalen Regierens. Besonders beeindruckt ist Werber von Willkes Schilderung der Veränderungen nationalstaatlicher Politik durch die globale Herrschaft solcher Akteure, die globale Standards der Rechnungslegung, Leistungsmessung und Kontrolle in Bildung und Wissenschaft, Politik und Wirtschaft, Sport und Recht anvisieren.
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