Tristan Garcia

Der beste Teil der Menschen

Roman
Cover: Der beste Teil der Menschen
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2010
ISBN 9783627001704
Gebunden, 318 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Michael Kleeberg. Es ist die Geschichte von drei Männern im Paris der 80er Jahre. Da ist der homosexuelle Willie, der aus der Provinz nach Paris gekommen ist, um den Kokon in einen Schmetterling zu verwandeln. Er geht mit der Mode, wird später Skandalschriftsteller, den die Medien zerreißen. Dominique Rossi ist ein charismatischer Schönling, der als politischer Linksaußen beginnt, dann die erste Schwulenbewegung Frankreichs gründet. Der dritte, Jean-Michel Leibowitz, repräsentiert jene Art des kultivierten jüdischen Pariser Intellektuellen, den das Fernsehen liebt. Willie und Dominique sind erst ein Paar, dann verfeindet. Leibo, wie er genannt wird, mutiert zum Salonphilosophen, zu sehr von der Macht fasziniert, verliert er mit den Jahren seine Überzeugungen. Drei Männer, deren Werden und Vergehen stellvertretend für das kulturelle Leben in Paris steht und hier erzählt wird von der Journalistin Elisabeth Levallois, der Freundin Willies, der Kollegin Dominiques und der Geliebten von Leibo.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.11.2011

Niklas Bender hätte sich sehr einen aufrichtigen Charakter, eine begabte Figur gewünscht, um diesen Thesenroman des jungen Franzosen Tristan Garcia mit offensichtlichen Bezügen zur Pariser intelligenten Gesellschaft zu retten. Allein der Autor will es so, die Hauptfiguren sind entweder flach oder bösartig. Die vom Autor gestellte philosophische Frage nach dem Wertvollen im Menschen lässt sich auf die Weise nicht beantworten, meint Bender. Dass Garcias "Gedankenexperiment" um mehr oder weniger aktuelle intellektuelle Debatten den Rezensenten darüber hinaus weder logisch noch sprachlich überzeugt, ist ein weiterer Grund für Benders Unwillen. Die ätzende Gesellschaftsanalyse, zu der dieser Autor laut Bender durchaus fähig ist, steht literarisch also reichlich nackt da.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.01.2011

Kann man einen Text "magistral" übersetzen? Michael Kleeberg kann, und Joseph Hanimann kann das sagen. Auch sonst findet Hanimann diesen Debütroman von Tristan Garcia ganz augenscheinlich magistral, also meisterhaft, kompositorisch wie stilistisch und das durchgeknallte Personal betreffend sowieso. Die noch frische Vergangenheit in solch thematischer Breite hat er auch lange nicht zu lesen gekriegt, realistisch und gleichnishaft zugleich, schreibt er. Und die Figuren! Synthetisch seien sie, aber dennoch keine Abziehbilder, Zeitgeschichte mit aufwirbelnd, doch nicht zu penetrant, versichert Hanimann und freut sich an ihrem Kontrastspiel. Die exemplarische Story dreier Männer im Paris der 80er und 90er, erzählt von einer Frau hat ihn zweifellos gut unterhalten.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.11.2010

Glatter Verriss. Rezensent Thomas Laux kann dem in Frankreich gefeierten Debüt des Autors Tristan Garcia gar nichts abgewinnen. Erzählt wird von dem linksintellektuellen Milieu im Paris der achtziger Jahre und dem Einbruch von Aids. Laux zufolge gelingt es dem Autor trotz seines "dokumentarischen" Ansatzes und des "nüchternen Tons", den er anschlägt, nicht, ein realistisches Gesellschaftspanorama zu entwerfen - ganz im Gegenteil: alles erscheint "in kompletter Überzeichnung". Außerdem findet der Rezensent, dass Garcia "alles zu lang gerät". Viele Details interessieren seiner Meinung nach, wenn überhaupt, nur französische Leser, die etwa bestimmte politische Vorgänge einzuordnen wissen. Was in kleineren Dosierungen durchaus "originelle Aspekte" enthalten könnte, wirkt hier einfach nur übertrieben und penetrant. Auch das dauernde "name dropping", bei dem von Spinoza über Foucault zu Bret Easton Ellis jede Menge Künstler und Denker herhalten müssen, nervt Laux. Sein Fazit: Ein "langatmiges, schwer verdauliches Buch".