Aus dem Englischen von Stephan Kleiner. Es gibt Familien, in die wir nicht hineingeboren werden. Die Xtravaganzas sind so eine Familie: glamourös, humorvoll und voller Temperament - trotz aller Widrigkeiten.
New York, 1980. Eine gerade aus heutiger Sicht extrem interessante Subkultur formiert sich: die Ballroom-Szene. Junge Menschen, die endlich ihre wahre Identität ausleben wollen, finden in ihr ein neues Zuhause. Doch der Preis dafür ist extrem hoch.
Angel, eine frischgebackene Dragqueen, trifft auf Hector, der davon träumt, Profitänzer zu werden. Die beiden verlieben sich ineinander und gründen zusammen das "Haus Xtravaganza", die erste Latino-Familie in der Ballroom-Szene, in der Kids aus ärmsten Verhältnissen Zuflucht finden und in aufwendig gestalteten Bühnenshows ihre extravaganten Outfits präsentieren. Sie kämpfen mit allen Mitteln um Anerkennung und nicht zuletzt ums blanke Überleben, denn ein grausames neues Virus namens AIDS macht die Runde.
Joseph Cassaras Debütroman über Drag Queens und andere LGBTQs hat den Rezensenten Jens Uthoff gepackt. Inspiriert vom realen New Yorker House of Xtravaganza, dessen subkulturelle Energie und Wahlfamilienstrukturen durch die Dokumentation "Paris is burning" bekannt wurden, erzählt der Autor Uthoff zufolge die Geschichte von Angel Xtravaganza, die das Haus Anfang der Achtziger mitbegründet hat und zur Hausmutter wird. Die Beschreibungen queerer Bälle, der Solidarität unter gesellschaftlichen Außenseitern und der Kreativität und Lebensfreude der Hausbewohner haben den Rezensenten tief beeindruckt. Auch die Übersetzung des speziellen Unterschichten-, Latino- und Drag-Slangs fand er großartig. Andererseits ließen ihm manche Stellen "das Blut in den Adern gefrieren", denn Gewalt und AIDS gehören ebenfalls zu den Erfahrungen der ersten Hausbewohner. Alles in allem verzeiht der Kritiker dem Autor kleine historische Ungenauigkeiten dafür, dass er ihn in diese Welt entführt hat, gern.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 13.07.2019
Rezensent Dirk Fuhrig liest diesen Roman des jungen amerikanischen Schriftstellers Joseph Cassara als Huldigung der queeren Szene im New York der Achtziger. Erzählt wird die Geschichte einer Gruppe aus Puerto Rico stammender Einwanderer, die aus der Innenperspektive von ihren Ängsten und Nöten, den prekären Verhältnissen, in denen sie leben und der Ausgrenzung durch ihre Familien im noch nicht ganz so liberalen New York der achtziger Jahre berichten. Authentizität verdankt der Roman Cassaras Gesprächen mit Freunden des Transgender-Stars Angie Xtravaganza, der Underground-Ikone und Hauptfigur aus dem Independent-Dokumentarfilm "Paris Is Burning", wie Fuhrig aufklärt. Während der Kritiker zwar bisweilen das Gefühl hat, in einer "Vorabendserie" festzustecken, erinnern in die stärksten Passagen dieses Buches an Armistead Maupins "Stadtgeschichten". Und mit der Übersetzung von Stephan Kleiner, der auch das "Spanglish" der Helden passend übersetzt, ist der Rezensent vollends zufrieden.
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