Colombe Schneck

Paris-Trilogie

Cover: Paris-Trilogie
Rowohlt Verlag, Hamburg 2024
ISBN 9783498004460
Gebunden, 208 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Claudia Steinitz. Colombe wächst in den Achtzigerjahren als Kind linksliberaler jüdischer Eltern in der Pariser Bourgeoisie auf. Als sie mit siebzehn ungewollt schwanger wird, reißt sie das jäh aus der Sorglosigkeit ihrer Existenz und der Gewissheit, alles haben zu können. Es ist die erste große Zäsur in ihrem Leben. Die zweite: der viel zu frühe Tod ihrer besten Freundin Héloïse, mit der sie seit der Schule eng verbunden war. Die beiden besuchten die besten Schulen und Universitäten, waren beruflich erfolgreich, und dennoch führten sie ein merkwürdig unemanzipiertes Leben. Warum ist das so? Die dritte Zäsur ist eine unerwartet intensive Liebe, mit fünfzig Jahren, vielleicht die glücklichste ihres Lebens überhaupt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.09.2024

Die französische Autofiktion kommt ja oft eher aus der Arbeiterklasse, weiß Rezensentin Lena Bopp, Colombe Schneck jedoch hat sich in ihrem dreiteiligen Werk mit der Bourgeoisie auseinandergesetzt, aus der sie auch selbst stammt. In parataktischem Stil schreibt sie über die materielle Grenzenlosigkeit des Rive-Gauche-Lebens, über heimliche Abtreibungen und die Anforderungen, die der Stand an junge Mädchen stellt, und übt dabei auch Kritik an diesen Verhältnissen, so Bopp. "Aus der Halbdistanz" beobachtet Schneck, wie sich ihre mit ihr wahrscheinlich identische Protagonistin im dritten Teil schließlich langsam emanzipiert - die Kritikerin liest gerne davon.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 01.06.2024

Der Gedanke an Annie Ernaux liegt bei französischer autofiktionaler Literatur nahe, Colombe Schneck widmet ihr sogar die Trilogie ihres Lebens, berichtet Rezensentin Bettina Baltschev. Die eigene Abtreibung, nach der es "keinen Grund für Trost" gibt, spielt ebenso eine Rolle wie die nur scheinbar perfekten großbürgerlichen Verhältnisse, in denen sie aufgewachsen ist, wie der Tod der besten Freunden und eine scheidende Liebesbeziehung, erfahren wir. "Leicht und diskret" schreibt Schneck davon, die Kritikerin muss allerdings ein wenig suchen, um die subtilen, aber wichtigen Hintergründe zu eruieren, etwa, dass die Familie den Holocaust überlebt hat und um sich davon erhellen zu lassen, schließt sie.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 16.05.2024

Autofiktionalität ist dank Annie Ernaux und Didier Eribon en vogue, weiß Kritikerin Katharina Teutsch, doch Erzählungen des Lebens gibt es auch aus privilegiertem Milieu, wie ihr Colombe Schneck zeigt, die jetzt, mit Ende Fünfzig, die Privilegien ihrer Oberschicht-Familie hinterfragt, unter anderem anhand einer Abtreibung, die sie mit 17 hatte. Scham spielt ebenso eine Rolle wie Macht, Überangepasstheit und Klasse - ein "erstaunlich selbstkritisches Porträt", so Teutsch.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.05.2024

Mara Delius scheint überzeugt von Colombe Schnecks Paris-Trilogie. Die Romane, die das Leben einer Frau in Paris zu verschiedenen Zeitpunkten ihres Lebens einzufangen versuchen - als 17-Jährige, als älter werdende Frau, die auf ihre Jugend zurückschaut, und als Fünfzigjährige, die eine eine neue, freie Liebe für sich findet, sind für Delius klar autobiografisch geprägt. Dass die Texte nicht aufeinander aufbauen, wie Delius erklärt, hindert die Rezensentin nicht daran, sie als autofiktionales Selbstbetrachtungsprojekt zu sehen. Thematisch scheint ihr die Trilogie allgemein zugänglich. Themen wie Freundschaft, Ehe, Liebe, Abtreibung, Scheidung, Krankheit, Neubeginn kommen im Leben jeder Frau vor, meint sie. Schnecks Erzählhaltung findet Delius dabei bemerkenswert: melancholisch, zugleich klar und direkt, eine packende Mischung aus Energie und Ennui, meint sie.

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…