Warum trat die Bundesregierung ab Ende der 1980er Jahre weltweit als sicherheitspolitischer Akteur in Erscheinung? Warum engagierte sie sich in multinationalen Missionen der Vereinten Nationen etwa in Somalia, Namibia und Ruanda mit Soldaten oder Polizisten - und in anderen Missionen in Afrika im gleichen Zeitraum nicht? Gestützt auf ministerielle Archivquellen untersucht Torsten Konopka die Prozesse der nationalen Entscheidungsfindung, die zu einer Beteiligung oder Nichtbeteiligung an VN-Missionen in Afrika führten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2024
Eine ernüchternde Lektüre ist für Rezensent Daniel Siemens Torsten Konopkas Studie über die deutsche Beteiligung an internationalen Friedensmissionen der frühen 1990er Jahre. Lange beteiligte sich, rekonstruiert Siemens mithilfe von Konopka, das Nachkriegsdeutschland höchstens finanziell an solchen Einsätzen, das änderte sich erst ab 1990. Das auf der Dissertationsschrift des Autors beruhende Buch beschäftigt sich insbesondere mit Einsätzen der Vereinten Nationen in Namibia, Westsahara, Somalia und Ruanda, erfahren wir, wobei deutsche Soldaten nur in Somalia aktiv waren. An den anderen Missionen war Deutschland lediglich in Person weniger entsandter Grenzbeamter und Polizisten beteiligt, stellt Siemens mit Konopka dar, dennoch wurden die Einsätze teils als Erfolge deutscher Politik gewertet. Um die Lage vor Ort oder um weitergehende geostrategische Überlegungen ging es den Entscheidern durchweg gar nicht, auch nicht Bundeskanzler Kohl, so Siemens mit Konopka, vielmehr standen stets Budgetfragen oder die Aussicht auf mehr internationales Ansehens Deutschland im Zentrum. Einige weiterführende Fragen bleiben offen, meint Siemens, aber das Buch ist auch deshalb wichtig, weil es einen vorsichtiger werden lässt in der Beurteilung auch neuerer politischer Entwicklungen, zum Beispiel hinsichtlich der von Annalena Baerbock ausgerufenen feministischen Außenpolitik.
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