Wohin will Angela Merkel? Wie lange hält der Vertrauensvorschuss in Bevölkerung und Medien? Kann die Regierung in Zeiten der Globalisierung überhaupt noch kraftvoll gestalten? Die erste Bilanz der neuen Kanzlerin und ihrer Koalition - und ein Ausblick auf die deutsche Politik in den nächsten Jahren. Seit Angela Merkel regiert, hat sich viel geändert. Im Stil der Politik, weniger bei den Inhalten. Der Neuanfang mit einer Frau, einer Ostdeutschen, hatte seinen Zauber. Die beiden großen Parteien halten sich jetzt gegenseitig in Schach. Es herrschen die Superpragmatiker. Das Volk leistet schicksalsergeben Vertrauensvorschuss und ist froh, wenn es nicht belästigt wird. Die Medien haben Beißhemmung, die Opposition findet keine Perspektive, das gewohnte Machtspiel ist durcheinander. Das alles half Merkel beim Start. Wer war noch mal Gerhard Schröder?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2007
Durchaus interessant scheint Karl-Rudolf Korte dieser Essay Richard Mengs aus dem vorigen Jahr über Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er teilt seine Unzufriedenheit mit der großen Koalition sowie seine Kritik am Stillstand im Lande. Aufschlussreich findet er vor allem die Analyse der Darstellungspolitik Merkels, die mit ihrer Bescheidenheit, Sachlichkeit und Nüchternheit eine neue "Armutsästhetik" begründe. Korte unterstreicht Mengs Zuordnung der Kanzlerin zur "Generation Pragmatismus" und hebt hervor, dass für den Autor letztlich unklar bleibt, wofür Merkel inhaltlich steht. Dennoch schreibt er der Kanzlerin nach Ansicht Kortes eine wichtige Funktion als Vermittlerin von scheinbar unüberwindlichen Gegensätzen zu, was gerade im Blick auf die Bedrohung der Demokratie durch eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft von enormer Bedeutung ist.
Gelegentlich stark, insgesamt aber doch eher zwiespältig findet Rezensent Warnfried Dettling dieses Buch über das erste Jahr von Angela Merkels Kanzlerschaft. Zu stark beschränkt sich für seinen Geschmack der ansonsten vom Rezensenten sehr geschätzte FR-Redakteur in seiner Beschreibung darauf, die Winkelzüge und Leerläufe der Merkel-Politik nachzuzeichnen. Aus Sicht von Dettling wäre Richard Meng weiter gekommen, wenn er seine Einsichten aus der Distanz einer kritischeren Reflexionsebene gewonnen hätte. So aber sieht der Rezensent in diesem Buch Merkels Politik nur gespiegelt, statt ihr den kritischen Spiegel vorzuhalten.
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