Tore Renberg

Die Lungenschwimmprobe

Verteidigung einer jungen Frau, die des Kindsmords bezichtigt wurde - Roman
Cover: Die Lungenschwimmprobe
Luchterhand Literaturverlag, München 2024
ISBN 9783630877778
Gebunden, 704 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger und Karoline Hippe. Leipzig/Sachsen im Jahre 1681: die fünfzehnjährige Anna Voigt steht vor Gericht, sie soll ihr neugeborenes Baby getötet haben. Die Obrigkeit will sie verurteilt sehen, es droht ihr der Tod - wie vielen anderen Mädchen und Frauen in dieser Zeit, die des gleichen Verbrechens bezichtigt werden. Aber dieser Fall ist anders: Sie hat nicht nur einen mächtigen Vater, der sich für sie einsetzt. Sondern es findet sich auch ein Arzt, der etwas spektakulär Neues wagt und ein wissenschaftliches Verfahren entwickelt, das in die Medizingeschichte als "Lungenschwimmprobe" eingehen wird. Durch dieses soll nachgewiesen werden, dass es tatsächlich eine Totgeburt war, wie Anna hartnäckig versichert, und kein Mord. Kann sie gerettet werden?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.02.2025

Insgesamt gern liest Rezensentin Katharina Granzin Tore Renbergs Buch, das einen historischen Prozess gegen eine vermeintliche Kindsmörderin im 17. Jahrhundert und dessen Nachspiel zum Thema hat. Die Angeklagte heißt Anna Voigt, so Granzin mit Renberg, es spricht vieles dafür, dass das Kind, um das es geht, schon tot geboren wurde, später weigert sich ein Arzt, Anna Voigt zu entlasten. Im Gefängnis wird sie später vergewaltigt und noch einmal schwanger. Auch ihr Vater, heißt es weiter, der sich an ihren Peinigern rächen will, sowie der Jurist Christian Thomasius, der sie im Prozess verteidigte, kommen vor, insgesamt baut Renberg die Geschichte klug zu einem historischen Panorama der frühen Neuzeit aus. Auch sich selbst lässt Renberg laut Granzin auftreten, außerdem verleiht er Anna Voigt selbst eine literarische Stimme. Dass teils etwas arg ausführlich historische Argumente im Original in das Buch einfließen, gefällt der Rezensentin nicht gar so sehr. Wer solche Passagen überblättert, liest jedoch einen spannenden Roman über die Vergangenheit, so das Fazit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.12.2024

Mit der "Lungenschwimmprobe" legt Tore Renberg seinen ersten historischen Roman vor, und der ist prächtig gelungen, findet Rezensent Peter Urban-Halle. Der norwegische Autor führt uns ins Leipzig des Jahres 1681 und blickt auf den wahren Fall der fünfzehnjährigen Anna Voigt, die vor Gericht steht, weil sie ihr neugeborenes Baby getötet haben soll. Anders als bei vergleichbaren Fällen in jener Zeit steht Anna aber nicht nur ein mächtiger Vater zur Seite, der gegen Bürokratie und Kirche und für Aufklärung kämpft. Auch ein Arzt tritt auf den Plan, der mittels Lungenschwimmprobe nachzuweisen versucht, dass es tatsächlich eine Totgeburt und kein Mord war. Wie Renberg aktenkundige Fakten mit fiktiven Dialogen und Gedanken, aber auch eigenen klugen Reflexionen verwebt, findet Urban-Halle brillant. Mitunter fühlt er sich an die Bücher von Per Olov Enquist erinnert, wobei Renberg anders als Enquist stets angibt, wo die Fakten enden und die Fiktion beginnt, lobt der Kritiker. Es dauert einen Moment, bis dem Leser einfällt, dass diese Art der Strafverfolgung gar nicht so historisch ist: Seit den verschärften Abtreibungsgesetzen mussten sich auch in den USA Frauen, die eine Totgeburt hatten, gegen den Vorwurf des Totschlags verteidigen.