Baltasar Gracian

Der Held

Cover: Der Held
Matthes und Seitz, Berlin 2024
ISBN 9783751805476
Broschiert, 103 Seiten, 12,00 EUR

Klappentext

Aus dem Lateinischen von Elena Carvajal Diaz und Hannes Böhringer. Mit einem Nachwort von Hannes Böhringer. Helden sind verdächtig, sie sind zwielichtig, halb Literatur, halb wirklich, nur in Krisen, in der Not tauchen sie auf und verrichten ungewöhnliche Taten, bevor sie vom Alltag wieder verschluckt werden. So wurde die Figur des Helden immer wieder missbraucht, doch soll man deshalb auf sie verzichten? In der im besten Sinne barocken Erstlingsschrift (1637) Graciáns erhalten wir einen anderen Vorschlag. Der spanische Philosoph und Theologe entwirft darin das Bild des zur Vervollkommnung fähigen Menschen, der durch eigenen Kraft und jederzeit zu einem Helden im übergeordneten Sinne werden kann. In prägnanten und überraschenden Sentenzen formuliert er eine erhabene Lebenskunst für alle, die sich nicht mit dem begnügen möchte, was ihnen von Haus aus gegeben ist: "Du wirst hier weder eine politische noch eine ökonomische Räson, sondern eine Staatsräson deiner selbst finden, einen Kompass, um zur Vortrefflichkeit zu segeln, eine Kunst, dank weniger Klugheitsregeln hervorragend zu werden."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.01.2025

Es wäre falsch, in dieser Übersetzung eine "Handreichung für unser säkulares Säkulum" zu sehen, warnt Rezensent Alexander Menden. Baltasar Gracián schreibe tief verwurzelt in seiner feudalen Weltordnung - über Herrscher und wie sie sich dem Publikum zuzuwenden verstehen. An Graciáns Schreibstil kann sich Menden jedoch nur erfreuen. Die dialektisch gebauten Sätze und die "prägnante Ausdrucksweise" sind ein literarisches Vergnügen, die strenge Haltung gegenüber seinem Orden, ist zwar offensichtlich, aber nicht abweisend, lässt sich bei Menden nachlesen. Und am Ende kann er doch noch etwas für die Gegenwart abgewinnen - Gracián schreibt über die Nachlässigkeit, mit der Herrscher die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, und Menden wünscht sich eine moderne Version des "Helden", die unter anderem den nachlässigen Trump davon überzeugen könnte, dass seine größte Heldentat darin bestünde, "gleich wieder zurückzutreten".

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