Tomas Espedal

Wider die Natur

Cover: Wider die Natur
Matthes und Seitz, Berlin 2014
ISBN 9783882211887
Gebunden, 192 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Ein Mann wird älter. Er verliebt sich in eine junge Frau. Sie beginnen eine Affäre. Die junge Frau verlässt den älteren Mann. Eine alte Geschichte, doch für Tomas Espedal bedeutet sie einen Riss in seinem Leben, der einen intensiven Erinnerungsprozess in Gang setzt: Seine Jugend, die erste Liebe, die Zeit mit seiner verstorbenen Frau, große Momente, schwere Stunden und Erfahrungen des Alltags ziehen an ihm vorbei. Die tragische Auflösung des Ich-Erzählers wird von der Auflösung der literarischen Form begleitet, die in einem Notizbuch mündet, das mit den unversöhnlichen Worten schließt: "Du sagst Ende, aber die Liebe wird nicht enden."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2014

Tomas Espedal lässt seine Erzählung "Wider die Natur" mit einer ekstatischen Liebesgeschichte einsetzen, berichtet Hans-Jürgen Heinrichs, der von Anfang an das "Tapsen der Unglücksboten" zu hören meint. Die Beziehung droht in die Brüche zu gehen, wird mit einer eiligen Ehe geflickt und füllt mit ihren steten Kämpfen den Zeitraum, bis das Sterben beginnt, so der Rezensent. Mutter, Ehefrau, Vater und Bruder werden nacheinander hinweggerafft, bis der Mann, dessen Geschichte Espedal erzählt, einsam plötzlich alt geworden sich inmitten eines "ausweglosen Zerfallsprozesses" begreift, fasst Heinrichs zusammen, vorangetrieben durch die "Brutalität und Gewalt der Natur", wie es beim Autor heiße.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.06.2014

Hymnisch bespricht Rezensent Andreas Breitenstein "Wider die Natur", das neue Buch des norwegischen Autors Thomas Espedal. Die Erzählung um einen 48-jährigen Schriftsteller, der sich in ein junges Mädchen verliebt, sie zehn Jahre nach der ersten Trennung wieder trifft und heiratet und schließlich nach ihrem Krebstod mit den beiden Töchtern alleine zurückbleibt, erscheint dem Kritiker als radikalautobiografischer Prosa-Essay, in dem sich die lakonische Erzählweise und das tiefe Sinnieren, das gefühlvolle Sehen und das drängende Erleben zu einem "Amalgam von existentialistischer Dringlichkeit" verbinden. Breitenstein liest hier vom Autor bewusst gesetzte Referenzen an Eros und Thanatos oder die Schöne und das Biest, verliert sich mit dem Autor in seinen schwelgenden Erinnerungen an die Liebe und ist doch insbesondere bewegt von der Verletzlichkeit, dem "Minimalismus der Melancholie" und der eindringlichen Klarheit, mit denen dieses herausragende Buch über den Schmerz des Verlassenseins geschrieben ist.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.04.2014

So einen wunderbar unaufgeregten Liebesroman wie Tomas Espedals "Wider die Natur" hat es noch nie gegeben, meint Iris Radisch. Ein Mittvierziger verliebt sich in einer Silvesternacht in eine junge Frau, es entwickelt sich eine leidenschaftliche Liebesbeziehung, die abrupt endet, und allein und einsam besinnt sich der Mann auf seine verflossenen Lieben, fasst die Rezensentin zusammen. Die "literaturfähige Zentralliebe" ist keine Einzelerscheinung, es kann ihrer mehrere geben, auch in einem Leben, weiß Radisch. Die "autobiografische Aufrichtigkeit und beiläufige Poesie", mit der Espedal seine Geschichte schreibt, hat die Rezensentin restlos überzeugt und lässt sie einen unerforschten Spielraum der Literatur erahnen.
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