Aus dem Norwegischen von Elke Ranzinger. Eva und Simon haben ein schönes und erfülltes Leben: ein großes Haus, drei erwachsene Töchter, verdienter Ruhestand nach erfolgreichen Karrieren als Lehrerin und Arzt. Doch als Simon aufhört zu sprechen, beginnt die Vergangenheit an Eva zu nagen. Bedingt durch die Stille, die mit Simons Rückzug entsteht, macht sie sich auf die Suche im Gespräch mit sich selbst nach den erschwiegenen Flecken in ihren beiden Leben. Sie versucht sich zu öffnen, sich der Isolation und Stille zu entziehen, in der sie schon viel länger leben, als sie es sich eingestehen will. Sie sucht das Gespräch mit dem örtlichen Priester, arbeitet allein an ihrer Erinnerung und plötzlich tauchen einzelne Bilder auf, werden für sie wieder greifbar: der mysteriöse Einbrecher damals, als die Kinder noch klein waren, die jähe Entlassung der ehemaligen Hausangestellten, die ihnen doch beiden so nah stand. Doch während Eva ihrer eigenen Lebensgeschichte näher kommt, verschwindet Simon in sich selbst, verstummt zusehends, bis er fast kein Wort mehr herausbringt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.10.2019
Dieser kurze Roman ist die Erzählung einer Entfremdung, erzählt Rezensent Harald Eggebrecht. Eine gealterte Frau versucht zu ergründen, wieso ihr Mann sich in Schweigen zurückgezogen hat, und reflektiert zu diesem Zweck die entscheidenden Stationen ihres gemeinsamen Lebens, fasst der Kritiker zusammen. Sparsam und gefasst im Ton, bietet die Autorin einen besonders authentischen Blick auf eine bittere und auch spannende Geschichte, lobt Eggebrecht.
Heidemarie Schumacher findet die "Poesie der Trostlosigkeit" in Merethe Lindströms Roman über ein altes norwegisches Ehepaar am Rand des Vergessens bestechend, ebenso die thematische Dichte des Textes, der Erinnerung, Verdrängung und Antisemitismus thematisiert. Weniger gut gefallen hat ihr der zweifelnde Ton der Ich-Erzählerin, er hemmt den Erzählfluss und macht die Lektüre zäh, findet sie.
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