Wolfgang Hilbig

Wolfgang Hilbig: Erzählungen und Kurzprosa

Werke, Band 2
Cover: Wolfgang Hilbig: Erzählungen und Kurzprosa
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783100336422
Gebunden, 767 Seiten, 26,95 EUR

Klappentext

Dieser Band sammelt sämtliche Erzählungen von Wolfgang Hilbig in der Reihenfolge ihres Entstehens. Ergänzt werden sie um bisher nie publizierte Texte aus dem Nachlass. Ein Nachwort von Katja Lange-Müller rundet den Band ab. Wolfgang Hilbigs Erzählungen sind sein eigentliches Hauptwerk: unverwechselbare Erkundungsgänge durch die Landschaft der Seele, die in der gesamten deutschsprachigen Literatur ihresgleichen suchen. Hilbig erzählt von Alltag und Arbeitswelt in der DDR, von den Strudeln der Wiedervereinigung, von der verlorenen und doch endlich gefundenen Heimat. Vor allem aber handeln diese Erzählungen davon, wie ein Mensch, allen Verführungen und Bedrohungen zum Trotz, zu sich selbst findet - und damit vom größten und letzten Abenteuer der Jetztzeit: von der Entdeckung des eigenen Ich.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.07.2009

Burkhard Müller lässt keinen Zweifel an der Bedeutung Wolfgang Hilbigs. Für ihn ist er der "schlechthin gültige" und einzige Arbeiterschriftsteller der DDR, weil er die "verdrängte eigentliche Erfahrung", den Schmerz dieser untergegangenen Gesellschaft ausdrückt. Am vorliegenden zweiten Band der Werkausgabe mit Erzählungen und Kurzprosa fasziniert ihn angesichts der für ihn beim Lesen immer spürbaren Kraftanstrengung des Schreibenden schon die schiere Fülle. Hilbigs Leistung eines Realismus', dem Schönheit und Tod dialektischerweise eingeschrieben sind, der dennoch ohne Klage auskommt, wie Müller anerkennend schreibt, ist für den Rezensenten eine Arbeit aus dem "Geist der Schwere". Hilbigs hier nachzulesenden "luziden" Analysen der Arbeiterklasse mit der paradigmatischen Figur des Heizers sieht Müller in der Haltung des Autors quasi fundamentiert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.06.2009

Eigentlich, so Kurt Drawert, hätte Wolfgang Hilbig für eine DDR-Führung mit einem Fünkchen Verstand als Vorzeigedichter dienen können. Ein Arbeiter, der zum Autor wird, einer, der auf höchstem ästhetischen Niveau Literatur der Arbeitswelt verfasst. Nur musste, was dabei heraus kam, allen Funktionären Angst und Schrecken einjagen. Was sich in Hilbigs Literatur nämlich ereignet, meint Drawert, ist das Schauspiel des modernen Zerfalls des Subjekts, hier aber geerdet durch die Anbindung an wirkliche Verhältnisse. In gewisser Weise, so der Rezensent, verkörpert Hilbig mit seiner fulminanten "Ich"-Erforschung die postmodernen Debatten um "Signifikat" und "Signifikant" - aber eben, ein Unterschied ums Ganze, am eigenen Leib. Drawert geht noch weiter: So recht kommen für seine Begriffe diese Debatten in Hilbig und seiner Literatur erst so richtig zu sich, weil sie Halt in einer Wirklichkeit finden. Exemplarisch nennt Drawert die Erzählung "Der Heizer". Grundsätzlich aber sind für ihn die hier nun versammelten Texte wie die anderen Teil eines "einzigartigen Werks" und nicht weniger als ein "literarisches Monument".
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