Mit zum Teil farbigen Abbildungen. Keine Geste hat mehr Unheil angerichtet als diese. Kein anderes politisches Regime der Welt hat je eine Grußformel so radikal zur Nivellierung gesellschaftlicher Unterschiede und zum Umbau einer Gesellschaft eingesetzt wie der Nationalsozialismus. Dem italienischen Duce-Gruß entlehnt (und damit eine gewaltige Debatte über sein "Deutschsein" oder nicht "Nichtdeutschsein" auslösend), wurde der "deutsche Gruß" zum Wahrzeichen des Hitlerfaschismus - und schied die Geister. Denn anhand des Grußes wurde bald klar erkennbar, wer wie zum Faschismus stand - auf der Straße, im Büro, im Freundeskreis und auch zu Hause.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.11.2005
Beeindruckt zeigt sich Rezensent Micha Brumlik von Tilman Allerts Studie über den "deutschen Gruß", die er zum Überzeugendsten zählt, was die verstehende Soziologie in den letzten Jahren präsentiert hat. Er würdigt Allerts Untersuchung der Ausführungsbestimmungen und Formen dieser Geste nicht nur als eine "anthropologische Theorie sozialer Anerkennung", sondern auch als "ebenso kühne wie eindringliche Studie" zum totalitären Charakter der deutschen Gesellschaft im Nationalsozialismus. Überzeugt hat ihn die Studie insbesondere deswegen, weil sie nicht irgendwelche Kategorien von außen an den Gegenstand herantrage, sondern anhand der alltäglichen Korruption einer auf elementare Anerkennung zielenden leiblichen und sprachlichen Geste - des Grußes eben -die Zerstörung humaner Verhältnisse in Nazideutschland vor Augen führe.
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