Sergio Romano

Brief an einen jüdischen Freund

Cover: Brief an einen jüdischen Freund
Landtverlag, Berlin 2007
ISBN 9783938844076
Gebunden, 239 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Martina Kempter. Mit einer Einleitung von Jens Petersen. Sergio Romano, ehemals italienischer Botschafter in Moskau beschreibt in seinem Buch "Brief an einen jüdischen Freund" die Rolle, die der Holocaust im öffentlichen Bewusstsein Europas und der christlichen Welt spielt. "Für einen Teil des Judentums ist der Holocaust nicht nur das zentrale Ereignis des Jahrhunderts. Er ist vielmehr die Offenbarung des Bösen in der Geschichte, eine Art ,Gegengott', den es durch ständige Rückerinnerungen, Monumente, Museen, Akte der Betroffenheit und Bitten um Vergebung zu bannen gilt." Nach Ansicht des Autors strebt das Judentum danach, "die Geschichte zu konfiszieren und die ,hierarchische' Rangfolge der Ereignisse und ihre Bedeutung einzufrieren". Es entsteht so eine metahistorische, kanonisierte Interpretation des Holocaust, der damit "zur Kollektivschuld einiger Nationen und einiger religiöser Kulturen" wird. In dieser Neuaufnahme einer Kollektivschuldthese sieht Sergio Romano die Gefahr eines neuen Antisemitismus.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2008

Für Gustav Falke spiegelt das Buch die Debatte zwischen Historisierungsbefürwortern und Relativierungsgegnern und verweist auf das gemeinsame Fundament, dass sich Ethik in Bezug auf den Holocaust historisch definieren lasse. Sergio Romanos bereits 1997 entstandener Text über die geistigen und sozialen Voraussetzungen des Holocaust, namentlich der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, erscheinen Falke zwar heterogen und für den italienischen Leser bestimmt, aber dennoch auch heute noch und für die deutsche Debatte relevant. Zweifel kommen dem Rezensenten angesichts von Romanos Ausführungen jenseits ethischer Argumentation, als teleologisches Problem, "als habe der Antisemitismus doch etwas Zwingendes". Ebenso in puncto Erinnerung. Hier versteht Falke den Autor dahingehend, als handele es sich um ein Naturereignis und nicht um eine kulturelle Leistung. Obgleich er Romano "in keiner Weise" misstraut, was dessen Einschätzung der Bedeutung des Holocaust angeht, so gibt er doch zu bedenken, dass Romanos Warnung vor einem forcierten Gedenken als Ursache für einen neuen Antisemitismus genau in diesem Determinismus gründet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.12.2007

Außen schön, innen eher ins Revisionistische lappend findet Rezensent Micha Brumlik diesen "Traktat" des italienischen Diplomaten, Historikers und Publizisten Sergio Romano, der Brumlik zufolge genau genommen auch kein Brief sondern eine Sammlung von Skizzen und Vignetten ist. Der Rezensent hat gegen diese Texte und ihre Einschätzungen des Holocausts einiges Grundsätzliche einzuwenden: Zum Beispiel, dass sie von der falschen Überzeugung ausgingen, der rassistische Antisemitismus habe "mit dem seit Jahrhunderten virulenten christlichen Antijudaismus" nichts zu tun. Auch stört ihn die Vehemenz, mit der hier immer wieder behauptet werde, der Holocaust sei zum Machtinstrument "eines radikal unversöhnlichen Judentums" geworden. Über die Hutschnur geht Brumlik schließlich die Frage Romanos nach der Mitschuld der Juden am Antisemitismus. Den als betont nüchtern beschriebenen Ton des Buchs wertet Brumlik in seiner plausibel klingenden Kritik als Tarnung eines "verdrucksten Ressentiments".

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