Thorsten Becker belebt den historischen Roman neu, mit einem weit gespannten Epos über Friedrich den Großen, den Alten Fritz, als Staatsmann und Feldherr Schöpfer von Preußens Gloria und verantwortlich für eine Konstellation der europäischen Großmächte, die zwei Jahrhunderte später in den Schrecken zweier Weltkriege mündete. Schon Thomas und Heinrich Mann planten einen Roman über diese für das deutsche Schicksal so entscheidende Figur - und Thorsten Becker schlüpft in die Haut der Brüder, plottet und denkt in ihrem Namen, dass es nur so raucht über den Schlachtfeldern der großen preußischen Expansion. Auch Friedrich selbst wird scharf umrissen: sein aufgeklärter Despotismus, sein Kunstsinn, seine versteckte Homosexualität, sein Franzosentum und sein literarischer Esprit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.02.2007
Rezensentin Insa Wilke ist keine Freundin "heikler Konstruktionen", und das sei auch schon das beste, was man über diesen Roman über ein Romanprojekt samt fiktiver Vollendung sagen könne. Für den Leser bleibe nur ein verwirrendes Durcheinander von Namen und Orten, ohne dass er sich an einer Kerngeschichte festhalten könne. Auch die erzählerische Leichtigkeit, die der Autor sonst in seinen Erzählungen zeige, gehe so verloren. Und dennoch, erwähnt die Rezensentin auch die Sonnenseiten ihrer Lektüre, begegne man auch hier dem guten alten Thorsten Becker, dieser besonderen Mischung aus übermütigem Tonfall und "Akribie" in den Details. Den erfundenen Briefwechsel der Brüder Mann zu ihrem gemeinsamen Romanprojekt verbucht die Rezensentin mal unter "platter", mal unter "amüsanter" Einfall.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.12.2006
Zufrieden zeigt sich Andreas Kilb mit diesem Roman Thorsten Beckers, der sich ausmalt, wie die Brüder Thomas und Heinrich Mann nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen einen historischen Roman über Friedrich den Großen schreiben. Anfänglich von die Lektüre vollauf begeistert, hat sich bei nach etwa zwei Dritteln des Romans eine gewisse Ernüchterung eingestellt. Gefallen hat ihm der Schneid und der erzählerische Schwung, mit dem Becker seinen historischen, vielfach in sich gespiegelten Roman angeht. Er bescheinigt ihm, die Weltlage um 1950 bestens zu kennen und zahlreiche preußisch-fritzige Kuriosa einzubringen. Außerdem schätzt er ihn als "furchtlosen Stimmenimitator Thomas und Heinrich Manns" und als "tapferen, aber holprigen Knittelreimer". Allerdings kann ihn das Werk dramaturgisch nicht überzeugen, dreht sich die Geschichte doch irgendwann nur noch ziellos im Kreis.
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