Thomas Stangl

Fremde Verwandtschaften

Roman
Cover: Fremde Verwandtschaften
Droschl Verlag, Graz 2018
ISBN 9783990590096
Gebunden, 272 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Während seiner Reise zu einer Konferenz nach Westafrika öffnen sich einem Wiener Architekten ungeahnte Denkregionen. In schlaflosen Nächten, auf Irrwegen durch die fremde Stadt und bei immer weniger einzuordnenden Begegnungen werden dem Mittvierziger seine Vorstellungen und sein Handeln, seine Verantwortung und seine Routinen als Architekt, Europäer, Vater, Sohn und Ehemann immer fremder. Je tiefer er in sein Inneres eindringt, desto größere Risse und poröse Stellen bekommen die Säulen seiner Existenz. Die Möglichkeit eines ganz anderen Lebens blitzt auf. Eine parallele Reise unternimmt ein namenloses Ich, das wie ein Rauschen, Rascheln und Hallen aus dem Hintergrund zu hören ist. Seine halluzinatorischen und verstörenden Gedanken- und Erinnerungsbilder schieben sich - in fremder Verwandtschaft - in die Erzählung hinein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.05.2018

Rezensentin Anja Hirsch mag das Tänzerische im Werk von Thomas Stangl. So lässt sich die Kritikerin zunächst auch in dessen neuen Roman gern auf die bedächtig erzählte Geschichte um einen Wiener Architekten ein, der zu einem Kongress nach Westafrika fliegt, auf eine einstige Affäre trifft, vor allem aber über seine Eltern, seine Ehefrau, seine Kinder und sich selbst sinniert. Wie Stangl Tagungsalltag und Afrika-Impressionen kurzschließt, hat der Rezensentin durchaus gefallen. Bald muss sie aber feststellen, dass der Text nicht nur unter Theorielast und Reflexionsfreude ächzt, sondern Stangls Held auch ziemlich nervt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.03.2018

Nico Bleutge lobt Thomas Stangl für sein literarisches Gespür und die Fähigkeit, sinnliche Details, "Denkirritationen" und die verschiedensten Kontexte und Diskurse in seinen Texten unterzubringen. Dass der Boden der Erzählung kein sicherer ist, sondern ein Spiegelspiel aus politischen, ästhetischen und moralischen Bezügen, hält Bleutge für ein Plus, auch wenn die Figuren mitunter unter dem Gewicht der Theorien und Themen zusammenzubrechen drohen, wie er schreibt. So gesehen gleicht der Roman für Bleutge einem Versuchsaufbau.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.02.2018

"Schlimm" findet es Rezensent Paul Jandl, dass der österreichische Schriftsteller Thomas Stangl immer noch nicht so berühmt ist, wie er es verdient hätte. Er ist ein Autor der inneren und äußeren Welten, der Wege dazwischen und dem Gefühl der Fremdheit in diesen Welten. Seine Figuren "Gestalten des Transits" so Jandl, immer im steten Wandel. So auch der für eine Konferenz nach Westafrika gereiste österreichische Architekt in "Fremde Verwandtschaften": Er ist ein Reisender, lesen wir, äußerlich und innerlich, der jedoch nie ankommt und nie losgegangen zu sein scheint. Er ist für sich und alle Anderen ein ewiger Fremder, resümiert Jandl. Schlicht schreibt Stangl, klar und geradeaus über das "Fremdsein", über die afrikanische Großstadt und findet eindringliche Bilder und literarische Formen dafür, lobt der Rezensent.

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