Kathrin Röggla

Nachtsendung

Unheimliche Geschichten
Cover: Nachtsendung
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016
ISBN 9783100024879
Gebunden, 288 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Unheimliche Szenen ereignen sich. Und wir sehen zu. Die täglichen Bilder unserer Wirklichkeit gleichen Horrorszenen. Jemand ist dabei. Jemand sieht zu. Sind das wirklich wir? Kathrin Röggla schaut genau hin. Sie erzählt unheimliche Geschichten und entdeckt Risse, tote Winkel und das Unheimliche unserer Gegenwart. Gefahrenzonen breiten sich aus, es herrscht Desorientierung, Kommunikation bricht zusammen. Das betrifft das politische Reden, den wutbürgerlichen Aktivismus, den Absturz des Mittelstandes ebenso wie das Familientreffen in der deutschen Provinz. Sie entwirft politische, soziale und private Szenarien, die sich zu einem Nachtbild unserer gespenstischen Gegenwart zusammensetzen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2016

Ein "grelles Lachen" klingt dem Rezensenten Helmut Böttiger aus diesen Geschichten Kathrin Rögglas entgegen, die von einem deutschen Alltag erzählen, der denkbar weit entfernt ist von den sonst in der Literatur gern bedienten Erfahrungswelten der urbanen Mittelschichten. Röggla erzählt aus strukturschwachen Zonen, von einem stillgelegten Kalibergwerk, vom Hauen und Stechen auf einem Wissenschaftskongress. Wobei Erzählen schon zuviel gesagt ist, wie Böttiger herausstellt: Röggla liefere eher "flimmernde und hypergenaue Standbilder", als dass sie handelnde, denkende oder fühlende Personen entwerfe. Innenschau gibt es bei Röggla nicht, stellt Böttiger klar. Mitunter erinnert ihn die Röggla'sche Übertreibungsartistik an Thomas Bernhard, mitunter erscheinen ihm auch ihre apokalytische Visionen recht "vehement". Aber im Grunde gibt er sich dem Flirrend-Flimmernden dieser Prosa hin, die den Irrwitz der Gegenwart in ausgesprochen rhythmischer Prosa einfange.
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