Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.12.2003
Thomas Speckmann habe Hugo Dornhofer, den ein Staatsanwalt einmal als den "größten Verbrecher des Jahrhunderts" bezeichnete, mit seiner "minutiös recherchierten, sorgsam komponierten" Biografie nur zögerlich zu einem Helden des Widerstands stilisiert, entnehmen wir der dem Autor beipflichtenden Besprechung durch Alexander Kissler. Besonders die zahlreichen Belege aus dem achtundsechzig Bände umfassenden Tagebuchwerk des ehemaligen Gewerkschaftsfunktionärs, der sich in diesen "selbstgefällig, geschwätzig, gänzlich unoriginell" präsentiere, zeigen wiederholt dessen "befremdlich wirkenden Willen zum Hedonismus und zur Belehrung", der nicht wirklich zum Bilde des vergessenen Helden passe, erklärt der Rezensent. Allerdings hätte sich Kissler mitunter "weniger Distanz und etwas mehr Einfühlung" gewünscht, denn schließlich habe dieser mit zwölf Jahren Zuchthaus und fortgesetzten Repressionen in zwei Diktaturen reales Leid erfahren; nicht umsonst galt Dornhöfer als der "Störrischste" unter den "eigensinnigen Bewohnern des Eichfelds".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.07.2003
Obwohl der Gewerkschafter und CDUD-Politiker Hugo Dornhofer keine "Person der Zeitgeschichte" sei, kann sein Lebensweg als "beispielhaft für ein deutsches Schicksal" des 20. Jahrhunderts betrachtet werden, meint Rudolf Morsey. Der katholische Arbeitersohn wurde zunächst von den Nazis, später auch in der DDR politisch verfolgt, seiner Ämter enthoben und 1952 ins Zuchthaus gesteckt, erzählt der Rezensent. Seine Lebensgeschichte hielt Dornhofer in umfangreichen Tagebüchern fest, die von Thomas Speckmann in geschichtlichem Kontext "eindrucksvoll und keineswegs unkritisch" zusammengefasst wurden, wie Morsey lobt. Nur die Auszüge aus dem 68-bändigen Tagebuch sind ihm dann doch etwas "arg lang" geraten.
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