Das Eichsfeld war ein politisches Ausnahmegebiet in der DDR, das die SED-Diktatur vor besondere Herausforderungen stellte, ja bis an den Rand der Verzweiflung trieb. Um die Einflusssphäre der katholischen Kirche zurückzudrängen und in der industriearmen Region die soziale, wirtschaftliche, aber auch kulturelle Infrastruktur auszubauen, beschloss die Partei 1959 den "Eichsfeldplan". Aus der katholischen Hochburg sollte eine sozialistische Industrieregion werden. Christian Stöber bilanziert die Eichsfeldpolitik der SED, aber auch die gesellschaftlichen Reaktionen und Wechselwirkungen - und zeigt, wie sich das katholische Milieu mit missmutiger Anpassung, Eigensinn und weltanschaulicher Verweigerung gegenüber den staatsparteilichen Drangsalierungen und Repressionen erfolgreich zu behaupten wusste.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.12.2019
Rene Schlott erfährt aus der Dissertationsschrift des Historikers Christian Stöber am Beispiel der Region Eichsfeld und des Dorfs Deuna, wie die SED-Diktatur und das katholische Milieu dort aneinandergerieten und der Bruch mit dem Regime sich gestaltete. Schlott zeigt sich beeindruckt von der im Buch verarbeiteten Materialmenge aus Archiven und Forschungsliteratur sowie von der Lesbarkeit der Arbeit. Dem Trend folgend, die SED-Herrschaft und ihr Ende regional zu untersuchen, bietet der Band laut Schlott auch einen Einblick in das noch immer intakte katholische Milieu im Nordwesten Thüringens.
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