Der Amerikaner John P. Birkelund zeichnet ein umfassendes Bild des charismatischsten Politikers der Weimarer Zeit in seiner ganzen Widersprüchlichkeit nach, vom deutsch-nationalen Monarchisten zum Vorsitzenden der Deutschen Volkspartei und Politiker des Ausgleichs, der Versöhnung und der europäischen Einigung. Als Gustav Stresemann - Kanzler und Außenminister der entscheidenden Jahre der Weimarer Republik - am 3. Oktober 1929 stirbt, steht er im Zenit seiner politischen Karriere. Kein Politiker war im westlichen Ausland so angesehen wie er; er war der erste deutsche Staatsmann, der den Friedensnobelpreis erhielt; und sein Begräbnis in Berlin geriet zu einem Staatsakt von wahrhaft europäischen Dimensionen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2004
Eine Besonderheit innerhalb der Flut von Biografien über Gustav Stresemann hat Eberhard Kolb gelesen. Der Autor John P. Birkelund, der in den fünfziger Jahren als Marineoffizier in Berlin stationiert war, ist kein Fachhistoriker, berichtet der Rezensent, hat sich jedoch lange Zeit, zunächst im Rahmen eines Geschichtsstudiums in Princeton später privat, mit Stresemann befasst. Daraus sei nun ein "pointiertes Lebensbild" des Außenministers der Weimarer Republik hervorgegangen, dass - trotz einiger "fehlerhafter Angaben" - durchaus dem aktuellen Stand der Forschung Rechnung trägt und sich darüber hinaus vor allem durch seine gute Lesbarkeit auszeichnet, lobt Kolb. Den Weg des ersten deutschen Friedensnobelpreisträgers vom überzeugten Monarchisten zum "Vernunftrepublikaner" schildere Birkelund "eindringlich" und "mit viel Emphase", ohne indessen die kritische Distanz zu seinem Gegenstand zu verlieren, betont der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.12.2003
Die Erinnerung an Gustav Stresemann hat auch über das Jubiläum zum 125 Geburtstag des Vernunftrepublikaners hinaus "wieder Konjunktur", schreibt Anselm Doering-Manteuffel in seiner Besprechung. Ein Umstand, den der aus der amerikanischen Wirtschaft kommende, langjährige Stresemann-Forscher John P. Birkelund durch ein seit der Wiedervereinigung aus dem Gleichgewicht gebrachtes "Europaengagement" und einen unsicheren "Nationalismus" der Deutschen wie Europäer erklären möchte. Die Publikation Birkelunds zeige aber anhand einer "sachlichen, abgewogenen Darstellung", dass Stresemann nicht wirklich als Orientierungsperson für die Probleme unserer Zeit dienen könne, da er in ein "vergangenes Zeitalter der autonomen Nationalstaaten ohne integrative Strukturen" gehöre, so der Rezensent. Eine lohnende Lektüre also, bekräftigt Doering-Manteuffel.
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