"Warum sollte man nicht von einer genetischen Inquisition träumen?", schrieb Georges Cangüilhem schon 1966. Thomas Lemke zeigt anschaulich, dass dieser Traum inzwischen teilweise Realität geworden ist. Er erläutert, wie die aus genetischen Untersuchungen gewonnenen Informationen zu Ausgrenzung und Stigmatisierung führen. Das Spektrum reicht von Benachteiligungen im Arbeitsleben über Probleme mit Versicherungen bis zu verweigerten Adoptionen. Aber auch die wissenschaftliche Kritik an genetischer Diskriminierung beruht, wie Lemke verdeutlicht, häufig auf der Vorstellung, dass Gene die menschliche Existenz fundamental prägen und den Kern der Persönlichkeit ausmachen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.02.2007
Instruktiv findet Carlo Caduff diese Studie über "genetische Diskriminierung", die der Soziologe Thomas Lemke vorgelegt hat. Zu seiner Freude fällt sie wesentlich differenzierter aus als der etwas "plakative" Titel nahe legt. Besonders die zahlreichen Schwierigkeiten bei der Definition des Leitbegriffs genetische Diskriminierung werden bei Lemke seines Erachtens sehr gut verdeutlicht. Er hebt Lemkes Plädoyer für gesetzliche Vorschriften hervor, die vor genetischer Diskriminierung schützen sollen, und betont zugleich dessen kritische Haltung zum genetischen Determinismus, der durch gesetzliche Regelungen gestützt werde. Damit werde durch das Recht die zweifelhafte Sonderstellung des genetischen Blicks auf den Menschen bestätigt. Offen bleibt für Caduff dabei, was an die Stelle der von Lemke kritisierten "deterministischen" Perspektive rücken könnte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2006
Als "anregende Studie" würdigt Rezensent Oliver Tolmein diese Arbeit über genetische Diskriminierung, die der Sozialwissenschaftler Thomas Lemke vorgelegt hat. Die Ausführungen über die Unterschiede zwischen genetischer Diskriminierung und anderen Formen der Benachteiligung haben ihn ebenso überzeugt wie Lemkes Plädoyer, Menschen mit genetischen Eigenheiten vor Ausgrenzung und Benachteiligungen zu schützen. Kritisch betrachtet Tolmein die Absage des Autors an den genetischen Essenzialismus, die ihm zu weit geht. Zudem scheint ihm die Argumentation nicht immer so stichhaltig, wie er sich das wünschen würde, was seines Erachtens auch damit zu tun hat, dass die Studie auf mehreren Aufsätzen beruht. Außerdem fallen ihm, wenn es um rechtliche und medizinische Fragen geht, einige Ungenauigkeiten ins Auge. Dennoch unterstreicht er die Bedeutung der Arbeit für die Debatte um die genetische Diskriminierung und bescheinigt ihr, Lücken in der Forschung aufzuzeigen und allzu wohlfeile Lösungen in Frage zu stellen.
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