Thomas Kesselring

Ethik der Entwicklungspolitik

Gerechtigkeit im Zeitalter der Globalisierung. Ethik im technischen Zeitalter
Cover: Ethik der Entwicklungspolitik
C. H. Beck Verlag, München 2003
ISBN 9783406509209
Broschiert, 323 Seiten, 9,90 EUR

Klappentext

Thomas Kesselring zeichnet im ersten Teil dieses Buches die philosophische Diskussion um Entwicklungshilfe und internationale Gerechtigkeit seit den sechziger Jahren nach und analysiert im zweiten Teil neben den weiterführenden, konstruktiven auch die destruktiven und widersprüchlichen Seiten der Globalisierungs-Euphorie der neunziger Jahre.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.11.2003

Mit seinem "gut durchargumentierten Traktat" sucht Thomas Kesselring eine neue, der Globalisierung angemessene Ethik der Entwicklungspolitik zu begründen. Ein Versuch, der nach Ansicht von Rezensent Claus Leggewie rundum gelungen ist. Kesselring sehe im nationalstaatliche Rahmen keine probate Bemessungsgrundlage für soziale Gerechtigkeitsforderungen mehr. Postulate politischer Gerechtigkeit müssten vielmehr den nationalen wie staatlichen Rahmen überspringen und auch Nicht-Regierungs-Organisationen in den Blick nehmen. Leggewie lobt Kesselrings ausführliche Erörterung von philosophischen Positionen. Er hebt hervor, dass bei Kesselring auch an praktischen Schlussfolgerungen und konkreten Anweisungen kein Mangel besteht. So plädiere Kesselring für einen den Freihandel beschränkenden "Erziehungsschutz" für Wirtschaftszweige im Süden hinaus, die sich in Ruhe entwickeln sollen. Insgesamt sieht Leggewie in Kesselrings Werk einen Beitrag, der die Philosophie "zeitgemäßer" und "kosmopolitischer" macht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.10.2003

Dass sich Thomas Kesslering an die längst fällige "ethische Reflexion" der Entwicklungspolitik gemacht hat, rechnet Rezensent Michael Schefzczyk dem Autor hoch an, schließlich sei die weltweite ungleiche Verteilung von Wohlstand selbst für hartgesottene Gemüter "moralisch verstörend". Dennoch mag Schefczyk den Überlegungen des Autors nicht ganz folgen, der nicht nur einen - ökonomisch umstrittenen - Erziehungsschutz für "infant industries" vorschlägt, sondern auch, und darin besteht für den Rezensenten das Hauptproblem, jeglichen internationalen Handel mit Gütern und Dienstleistungen ablehnt, so dass im Grunde die Entwicklungszusammenarbeit von Geberseite her nur moralisch-ideell motiviert sein darf. Überzeugt hat den Rezensenten dann wiederum Kesselrings Katalog entwicklungspolitischer Prioritäten, so dass er dem Buch in einer veritablen Volte dann doch wieder ein positives Zeugnis ausstellt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2003

Der Gewinn von Thomas Kesselrings Studie liegt Andreas Eckert zufolge nicht in ihrer Originalität, sondern im Versuch, eine tragende Brücke zwischen der philosophischen Beschäftigung mit Gerechtigkeit und der Praxis der Entwicklungspolitik zu schlagen. Kesselring geht systematisch - oft auch zu didaktisch, findet Eckert - vor: Zuerst diskutiert er die Philosophen des Utilitarismus, insbesondere Peter Singer und John Rawls, dann folgt ein Teil, indem er mit den gewonnenen Voraussetzungen das empirische Feld der Entwicklungspolitik besichtigt und praktische Vorschläge unterbreitet, die laut Eckert allerdings keine neuen Ideen beinhalten. Schließlich schlägt er den Bogen zurück zur Philosophie und leitet aus seinen Befunden allgemeine "entwicklungspolitische Prioritäten" ab - wiederum weitgehend überraschungsfrei. Dennoch: eine verdienstvolle Studie, resümiert Eckert und hält Kesselring abschließend zugute, "ohne optimistische Naivität" zu argumentieren.