Traditionelle Darstellungen der deutschen Geschichte gehen meist davon aus, die Deutschen seien besonders staatsorientiert. Diese Sichtweise verkennt, dass Deutschland um 1900 eine Weltmacht war, wenn es um das stifterische Engagement seiner Bürger ging: Stiftungen finanzierten öffentliche Museen, förderten die Wissenschaften, unterhielten Gymnasien wie Universitäten und stellten Sozialleistungen zur Verfügung. Dieses Buch, die erste umfassende Darstellung des Stiftungswesens in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert, behandelt dieses bislang als Randphänomen der Vormoderne verkannte zivilgesellschaftliche Handeln in allen seinen Aspekten. Thomas Adam verdeutlicht, dass Stiftungen mit ihren ungeheuren Finanzressourcen der modernen deutschen Gesellschaft einen spezifischen Charakter gaben, der nicht nur durch Adel oder Staat, sondern ganz wesentlich auch durch selbstbewusste Bürger bestimmt wurde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2018
Peter Rawert übersieht Mängel des Lektorats, ermüdende Wiederholungen und fehlende Belege für so manche Behauptung großzügig und hebt vor allem Thomas Adams detailreiche Nachzeichnung des reichen deutschen Stifungswesens vor dem Ersten Weltkrieg hervor. Wie sich in den Bürgerstädten schon früh eine Vorform der "Public-private-Partnership" entwickelte, vermag der Historiker dem Rezensenten in seiner breit angelegten Monografie am Beispiel der Museumsfinanzierung und der Bereitstellung von Wohnraum für Arbeiter zu zeigen. Dass sich die Arbeit nicht auf Stiftungen im engeren Sinne beschränkt, sondern auch Vereine und Genossenschaften miteinbezieht, findet Rawert sinnvoll. In den juristischen Details findet Rawert das Buch eher schwach und allzu sehr auf Sekundärliteratur bezogen.
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