Terry Eagleton

Was ist Kultur?

Eine Einführung
Cover: Was ist Kultur?
C.H. Beck Verlag, München 2001
ISBN 9783406480997
Broschiert, 190 Seiten, 17,50 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Holger Fliessbach. Terry Eagleton zeigt die Bedeutung des Kulturbegriffs im geschichtlichen, philosophischen und politischen Kontext. Er analysiert die unterschiedlichen ästhetischen und politischen Kulturströmungen heute und entwickelt eine eigene Vorstellung von Kultur, die dem Aspekt des Gelebtwerdens, dem Alltäglichen von Kultur einen größeren Raum gibt. "Kultur" ist in aller Munde. Aber was ist Kultur? Eine Magazin-Rubrik oder die "Einheit des künstlerischen Stils ... eines Volkes" (F. Nietzsche); "erlesenes Getue" (L. Marcuse) oder ganz einfach eine "künstlich erzeugte Illusion" (W. B. Yeats)? Aldous Huxley hat uns gewarnt: "Die Kultur ist ein sehr dünner Firnis, der sich leicht in Alkohol auflöst."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2001

Das Buch erschien bereits vor anderthalb Jahren. Kersten Knipp hat es nun nochmals gelesen und bedeutet uns seine frappierende Aktualität, indem er Eagletons Darstellung der Entwicklung von politischem Dogmatismus und religiösem Fundamentalismus innerhalb der Postmoderne nachzeichnet. Wenn Knipp des Autors Ahnungen von einem Kulturkrieg zitiert und seine Furcht vor den "Flammen des Partikularismus", gruselts einem doch ein bisschen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.10.2001

Kritisch setzt sich Heinz Schlaffer mit dem neusten Werk des Literaturhistorikers Eagleton auseinander. Eagleton scheitere an der Frage, was genau Kultur sei, und wie sich diese als elitäres Konzept mit politischem Engagement in Einklang bringen lasse. Dem Autor, der für eine "gemeinsame Kultur von Elite und Masse, Einst und Jetzt, Abendland und Ethnien" kämpfe, gelinge es nicht, die Widersprüche zu vereinen, und er scheine seinen eigenen Ansichten zu misstrauen, wenn er sein Augenmerk auf England und Amerika richte und sich zu dem Schluss genötigt sehe: 'Die Kultur ist nicht mehr ein Teil der Lösung, sondern ein Teil des Problems'.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.09.2001

Das Zentrum des Buches bildet für den Rezensenten der Wandel von der bedingungslosen Bejahung von Kultur zur Skepsis ihr gegenüber. In der Auseinandersetzung mit dem Krieg der Kulturen, bedeutet uns Ludger Heidbrink, läuft der Autor zu einer "harschen Abrechung mit dem Kulturbegriff" auf, um den Ursprung der kulturellen Konflikte schließlich "in der fatalen Allianz von postmodernem Relativismus und prämodernem Essenzialismus" zu orten. Dem ernüchternden Rat des Autors, Kultur in einen aufgeklärten politischen Kontext zurückzustellen, scheint Heidbrink nicht abgeneigt, nur wäre ihm viel wohler dabei gewesen, wenn das Buch auch das ein oder andre "Gegenkonzept" bereitgestellt hätte, etwas wie eine "Aufrüstung" sozusagen, anstatt "nur" beherzter Versuch einer "ideologischen Abrüstung" zu sein.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.09.2001

Die Komplexität des Begriffs Kultur, so lässt uns Jens Bisky wissen, kommt dem Autor gerade recht. Kann er doch seinen Scharfsinn, die Lust am intellektuellen Virtuosentum demonstrieren und den Leser durch "eine nicht abreißende Kette von Aphorismen und Paradoxien" verblüffen. Kann zügig vom Ackerbau zu Picasso gelangen, (ganz ohne Huntington) über Kulturkriege schreiben und einige Begriffsunterscheidungen einführen (Kultur als Zivilisiertheit, Kultur als Identität, populäre Kultur), die der Leser, wie es hier lobend heißt, bald zu schätzen wissen wird. Bisky indes interessiert sich aus gegebenem Anlass vor allem für die Bemerkungen über den universalistischen Anspruch der westlichen Kultur. Wenn der Autor dann erklärt, "dass die künftigen Probleme nicht besonders 'kulturell' sein werden", zeigt sich der Rezensent entsprechend enttäuscht. Dabei hat Eagleton womöglich Recht.

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