Sven Regener

Frankie und Freddie

Roman
Cover: Frankie und Freddie
Galiani Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783869713199
Gebunden, 288 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Zwei Brüder, Frankie und Freddie Lehmann. Eine verlorene Tasche. Schnee. Und das Hin und Her der Himmelsmacht. Frankie und Freddie Lehmann, zwei Brüder aus Bremen in Westberlin im Jahr 1980. Während der eine seit Wochen damit beschäftigt ist, in Kreuzberg Fuß zu fassen, will der andere weiterziehen nach New York, musste aber erst einmal am Kudamm im Probandenhotel wohnen und als Versuchskaninchen für Antidepressiva herhalten.  Jetzt, einen Tag vor Heiligabend, hat er Angst vor Menschen, kann nicht mehr U-Bahn fahren und verliert eine wichtige Tasche.Sven Regener schickt die beiden auf eine Odyssee durch eine Stadt zwischen den Welten, einen Ort von Spaß und Kälte, Trotz und Anarchie, Resignation und Überlebenswillen. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 29.10.2026

Nicht ohne "Schwächen und Längen" kommt dieser neue Lehmann-Roman für Rezensent Wolfgang Schneider daher, aber dafür mit ganz viel Charme. Der Plot, eine Art "Schnitzeljagd" durch den Berliner Westen zwischen "Geisterbahnhöfen und Lebenslügen", ist etwas "dünn", findet Schneider, darum geht es aber auch nicht. Viel wichtiger sind die pointierten, witzigen Dialoge und die Berliner Charakterköpfe, die auftreten, von zugezogener Bohème bis "waschecht", wie der Kritiker feststellt. Gelungen auch, wie Regener hinter scheinbarer Oberflächlichkeit immer wieder Unverarbeitetes aus der Kindheit seiner Helden zum Vorschein kommen lässt. Und am Ende wird dieser Kreuzberg-Roman dann sogar noch zu einer Art Berliner Weihnachtsgeschichte, verrät der Kritiker, der die Lektüre lohnend findet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.10.2026

Pudelwohl fühlt sich Rezensent Edo Reents in Sven Regeners neuem Roman, dem siebten der Herr-Lehmann-Reihe und der fünfte der Reihe, der sich ganz dem Schauplatz Berlin widmet, in diesem Fall fast schon kartographisch, Straße für Straße. Die Handlung spielt an einem einzigen Tag, dem 23.12.1980, einem Dienstag. Wobei, echte Handlung gibt es kaum, Frank "Frankie" Lehmann will seinen Bruder Manfred "Freddie" Lehmann am Kurfürstendamm abholen und Gerät dabei in allerlei Schwierigkeiten, unter anderem weil erstmal kein Auto vorhanden ist. Viel mehr passiert nicht, wobei es schon auch noch die Andeutung einer Liebesgeschichte gibt und nach einer verschwundenen Bewerbungsmappe gesucht wird. Jede Menge bekannte Figuren aus älteren Lehmann-Büchern tauchen auf, allesamt gehören sie der Westberliner Künstler-Bohème an. Auch Regeners Technik, die Welt des Romans in erster Linie über Dialoge hervorzubringen, kennt Reents bereits, auch hier ist das wieder ganz große polyphone Sprechkunst, was der Roman aufführt. Was zeichnet den Roman dann besonders aus? Unter anderem, meint Reents, dass hier ziemlich illusionslos über Berlin gesprochen wird, und zwar letztlich aus einer Position der bedrängten politischen Mitte, was den Rezensenten an unsere Gegenwart erinnert. "Dickens-Niveau" hat das alles, schließt die ziemlich euphorische Besprechung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.10.2026

Rezensent Stefan Michalzik attestiert Sven Regener "Westalgie". Wenn dabei so "heimelig-dümpelige" Romane herauskommen wie der neue, an die Lehmann-Trilogie anschließende, findet Michalzig das In Ordnung. Es ist Winter 1980 und Lehmann ist 30 und auf einem Roadtrip mit seinem Bruder durch Westberlin. Andere Einsatzorte sind der Kotti und, wie gehabt, das "Einfall", erklärt Michalzik. Der Plot tut kaum zur Sache, meint er, wichtiger sind die Atmo und die latent linke Mentalität der Figuren. An Regeners dialogischem Stil und den nicht selten entgleisenden grotesken Kontroversen kann Michalzik sich nicht satt lesen. Auch wenn es gegen Ende etwas schleppend zugeht, wird es nicht langweilig, weil groovy, versichert er. 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.10.2026

Marlene Knobloch kann es selbst kaum fassen: Sie mag Berlin wieder ein bisschen mehr, nachdem sie Sven Regener in seiner Prenzlauer Berger Wohnung besucht und dessen neuen Herr-Lehmann-Roman gelesen hat. Zwar entführt Regener sie erneut ins Kreuzberger Hippie- und Künstlermilieu der Achtziger, aber die Wärme und der Witz des Romans tragen Knobloch auch durch das Berlin der Gegenwart. Beides spürt sie vor allem in den Dialogen, die Frankie und Freddie mit den vielen schrägen Figuren führen, die ihnen begegnen. Klare Leseempfehlung.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.10.2026

Allen, die gerade von einer scheußlichen Herbstgrippe heimgesucht werden, empfiehlt Kritiker Elmar Krekeler die Lektüre des neuen Buchs von Sven Regener, denn das hilft auf jeden Fall. Schon der Titel verweist auf die Brüder Lehmann, Frank und Manfred, die wir schon aus anderen Regener-Romanen kennen, sie sind in Bremen aufgewachsen, dann nach West-Berlin gezogen, wo auch die Geschichte einsetzt: Manfred nimmt gerade an einer Drogenstudie teil, Frank will eigentlich nach New York fliegen, verliert aber seine Tasche mit allen Dokumenten, zu allem Überfluss ist das Wetter kurz vor Weihnachten auch noch richtig mies, verrät Krekeler. Er wird ordentlich durch die "Botanisiertrommel der Befindlichkeiten" in Lehmanns Hirn geschleudert, im klassischen Regener-Sound liest er von "nichts und allem", von der Liebe, vom Westberliner Wahnsinn der 1980er, von der Odyssee der Suche nach der verlorenen Tasche. Das macht einen Heidenspaß, versichert der Rezensent, und kuriert damit garantiert jeden Infekt. 

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.10.2026

Rezensent Andreas Rüttenauer entgeht nicht der Kitsch in Seven Regeners neuem Lehmann-Roman. Das Westberlin am 23. Dezember 1980 und all die liebevoll gezeichneten Versager und Absteigen und der Wintersmog ziehen ihn letztlich aber doch wieder in ihren Bann. Derart, dass er am liebsten dabeigewesen wäre, wenn die Brüder Frankie und Freddie einer verlorenen Tasche hinterherjagen durch die kalte Mauerstadt. Den Braunkohleduft kann Rüdenauer fast riechen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.09.2026

Rezensent Paul Buschnegg scheint kein großer Fan zu sein von Sven Regeners Lehmann-Universum und Regeners alles andere als temporeichem Stil. Die vielen im Schneckentempo unternommenen Umwege durch das Berlin der 1980er, die der junge Lehmann in diesem Prequel zum verfilmten Erfolgsroman mit seinem Bruder abreißt, gehen Buschnegg offenbar ein bisschen auf die Nerven. Auch der Plot gibt nicht viel her, findet Buschnegg. Die im Roman anklingende Früher-war- alles-besser-Romantik kann der Rezensent nur ertragen, weil Regener hin und wieder erstaunliche Erkenntnisse einfließen lässt, etwa über den Zauber der Jugend. In diesen Momenten wirkt das alte Berlin auf Buschnegg geradezu poetisch schön.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.09.2026

Das Buch spielt einen Tag vor Weihnachten, und es wird im sich bereits annoncierenden Herbst auf den Markt geworfen - das wird auf jeden Fall ein Knaller! Zumal Rezensent Jakob Biazza aufrichtig begeistert klingt. Es ist schon der siebte "Herr Lehmann"-Roman von Regener, dessen Gesamtwerk nun schon fast die selbe Seitenzahl aufweist wie die Bibel, und ihm gehen weder der Witz noch eine angemessen dosierte Sentimentalität aus. Biazza schlürft das Buch wie eine Droge weg, sagen wir, wie ein Grippemittel mit ein bisschen Speed, das den Rezensenten wieder richtig auf die Beine bringt. Die Handlung spielt dabei kaum eine Rolle. Es geht irgendwie um eine verlorene Tasche und ein sich kabbelndes und liebendes Bruderpaar in Berlin um 1980. Eine Frau kommt auch vor, sie ist die Grippepatientin.

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