Vor über 30 Jahren stellte sie ein wildbuntes Zirkuszelt direkt an die Mauer, jetzt hat sie ihr außergewöhnliches Leben aufgeschrieben - die abenteuerliche Geschichte der Gründerin des legendären Berliner Tempodrom
In den 80er-Jahren hatte die junge Abenteurerin Irene Moessinger die geniale Idee, mit einem unverhofften Erbe ein altes Zirkuszelt zu kaufen, es in die Sandwüste des Potsdamer Platzes zu stellen und daraus die Traumfabrik Tempodrom zu machen. Junge Künstler wie Nina Hagen, Einstürzende Neubauten, Die Ärzte, Westbam, die 3 Tornados, Meret Becker probierten hier, oft zum ersten Mal, ihre Sachen aus und ließen nicht nur die Berliner durch ein schillernd-krachendes Universum fliegen. Ein einzigartiges Kunstlaboratorium hatte das Licht der Welt erblickt, in das Wim Wenders seinen Engel gewiss nicht ohne Grund hineinsegeln ließ.
In Berlin liegt am Meer erzählt Irene Moessinger nicht nur von diesem Lebensprojekt, sie nimmt ihre Leser mit auf einen Streifzug durch eine Biografie, die zeigt, dass gerade die unvorhersehbaren Wendungen oft den Zauber des Daseins ausmachen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.08.2018
Arno Widmann baut vor: Irene Moessingers Autobiografie nur auf brisante Stellen hin zu scannen, wird nicht funktionieren. Die Geschichte dieses Lebens muss von vorne bis hinten gelesen werden. Sonst versteht man nicht, wie die Frau gelebt hat und wie sie jetzt schreibt. Moessinger hatte sich in den siebziger Jahren in Kreuzbergs linkes Leben gestürzt und wurde dadurch bekannt, dass sie der West-Berliner Kulturszene ein Zirkuszelt schenkte, das Tempodrom. Widmann folgt der Autorin gern bei ihren Erinnerungen an den Klassenkampf in Berlin, die schwere Krebserkrankung oder die Pferde von Torremolinos. Stürzen und Neuanfangen, das lernt man von dieser Autorin, erkennt Widmann.
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