Das Werk Heideggers nimmt in der Philosophie des 20. Jahrhunderts eine Schlüsselstellung ein. Bisher wurde jedoch die Frage, wie Geschlechterverhältnisse von Heidegger philosophisch verarbeitet werden, kaum gestellt, geschweige denn systematisch bearbeitet. Feministische Heidegger-Lektüren versuchen zumeist, Heidegger feministisch zu deuten und an ihn anzuknüpfen, da hier ein Bündnispartner gegen die begrifflichen Trennungen der Bewusstseinsphilosophie vermutet wird. Dagegen zeigt die vorliegende Untersuchung von ?Sein und Zeit?, inwiefern die neue Subjektkonstruktion Heideggers als ein ? im Diskurs der ?Konservativen Revolution? situierter ? philosophischer Entwurf hegemonialer Männlichkeit zu verstehen ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2001
Äußerst scharfsichtig soll Susanne Lettows Dekonstruktion des "Herr-Knechtin-Verhältnisses" bei Heidegger sein. Offensichtlich muss man allerdings eine gewaltige Dröhnung Heidegger zu sich genommen haben, bevor man zu solcher Scharfsicht gelangt - Sandra Kluwes Rezension des Buchs schwelgt jedenfalls derart im Jargon, dass ein gewöhnlich denkender Mensch am Ende der Rezension die "Möglichkeit des Freiseins für das eigenste Seinkönnen" dankbar realisiert. Immerhin lernt man soviel, dass Heidegger der üblichen Subjekt-Objekt-Dichotomie der abendländischen Philosophie den Begriff des "In-der-Welt"-Seins entgegensetzt, auch dass er gegen die Figur des "Man" ein androgyn gedachtes "Selbst" entwirft - aber das macht ihn noch nicht zum "heiligen Martin des Feminismus". Denn "hegemoniale Männlichkeit" gilt es auch bei Heidegger zu entlarven. Als besonders interessant würdigt Kluwe auch jene Passagen des Buchs, in denen Lettow sozial- und ideengeschichtliche Horizonte für Heideggers wabernde Existenzialbegrifflichkeit ausmacht. Eine "Sorge" weniger!
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