Sue Donaldson, Will Kymlicka

Zoopolis

Eine politische Theorie der Tierrechte
Cover: Zoopolis
Suhrkamp Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783518586006
Gebunden, 608 Seiten, 44,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Joachim Schulte. Massentierhaltung, Fleischskandale, Tierversuche - unser Umgang mit Tieren ist längst kein Nischenthema mehr, für das sich lediglich Aktivisten oder Ethiker interessieren, sondern steht im Fokus breiter öffentlicher Debatten. Allerdings konzentrieren sich die Diskussionen zumeist auf Fragen der Moral, darauf, welche moralischen Rechte und Interessen wir Tieren aufgrund ihrer Eigenschaften und Fähigkeiten zum Beispiel Schmerzen zu empfinden zuschreiben müssen und welche moralischen Pflichten sich daraus für uns ergeben. Sue Donaldson und Will Kymlicka gehen weit darüber hinaus und behaupten, dass Tiere auch politische Rechte haben. Im Rückgriff auf avancierte Theorien der Staatsbürgerschaft argumentieren sie dafür, ihnen neben unverletzlichen Grundrechten einen je gruppenspezifischen politischen Status zuzusprechen. Das heißt konkret: Bürgerrechte für domestizierte Tiere, Souveränität für Gemeinschaften von Wildtieren sowie ein "Stammgastrecht" für jene, die zwar nicht domestiziert sind, aber in unmittelbarer Nachbarschaft zu uns leben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.02.2014

Dem Dackel des Nachbarn darf man nicht den Schwanz abschneiden, aber Milliarden männlicher Küken dürfen pro Jahr geschreddert werden. Auch für den Rezensenten Jens Bisky scheint es an der Zeit, sich über unser Verhältnis zu Tieren noch einmal grundsätzlich Gedanken zu machen. Die die Amerikaner Sue Donaldsen und Will Kymlicka setzen auf eine sehr radikale Revolution, sie wollen Tieren die gleichen Rechte wie Menschen zubilligen. Das hätte nicht nur die Abschaffung von Zoos und Tierversuchen zur Folge, erklärt Bisky, sondern auch das Ende von Fleisch, Eiern und Käse, Leder und Wolle nur noch in Ausnahemfällen. Und beim Städtebau sollen die Rechte von Tieren auch berücksichtigt werden. Angesichts dieser radikalen Forderungen hätte sich Bisky allerdings schon eine plausiblere Argumentation gewünscht und mehr historische Tiefenschärfe.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.11.2013

Die Forderungen der Publizistin Sue Donaldson und ihres Ehemanns, des Philosophen Will Kymlicka in ihrem gemeinsamen Buch "Zoopolis" gehen Martin Hartmann dann doch etwas zu weit. Dass es moralisch und ökologisch problematisch ist, Tiere zu essen steht für die Autoren schon gar nicht mehr zur Diskussion, auch von der alten Debatte über Tierrechte grenzen sie sich ab, erklärt der Rezensent. Die radikale Forderung: Tieren sollen nicht nur negative Rechte zugestanden werden - also: "nicht töten, einsperren, besitzen, quälen, oder von der eigenen Familie trennen", fasst Hartmann zusammen -, sondern sie sollen Bürgerrechte erhalten, die ihnen zum Beispiel das Recht auf einen angemessenen Lebensraum, auch in Stadtnähe, einräumen würden, beschreibt der Rezensent. Damit vollziehen die Autoren zwar eine lange überfällige Politisierung eines moralphilosophischen Themas, unterstellen aber auch voreilig einen Konsens über das Wesen von Tieren, der so noch nicht existiert, meint Hartmann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2013

Manuela Lenzen regt das von der Schriftstellerin Sue Donaldson und dem Philosophen Will Kymlicka verfasste Buch zum Denken an. Das Unternehmen der beiden Autoren, das Prinzip der Unverletzlichkeit auf das Tierreich auszudehnen und eine Theorie der Tierrechte zu denken, findet sie so kurios wie faszinierend. Dass der Band das Zeug hat, aktuellen Tierrechtsdebatten positive Impulse zu geben, glaubt Lenzen ebenso, wie sie auf die begriffliche Präzision der Ausführungen vertraut. Auch wenn ihr die Vorstellung von einer Staatsbürgerin Huhn noch Probleme bereitet, mit diesem Buch haben die Autoren die Rezensentin schon mal an der Leine.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.11.2013

Ein bisschen Utopie kann nicht schaden, findet Markus Wild und liest das Buch des Philosophen Will Kymlicka und der Schriftstellerin Sue Donaldson als gut gebundenen Strauß differenzierter theoretischer Überlegungen und Anwendungsbeispiele zu einer Revision der Beziehung zwischen Mensch und Tier. Die Idee, Tieren, die in der Stadt leben, Bürgerrechte einzuräumen, erscheint Wild am Ende gar nicht mehr so fantastisch, sondern eher als zukunftweisendes Modell des Miteinanders. Provokativ? Politische Philosophie at ist best, kontert der Rezensent.

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