Aus dem Französischen von Lena Völkening. Mit einem Vorwort von Bruno Latour. Wer sagt, dass Tiere einfach gestrickt sind und keine Kultur haben? Die belgische Philosophin Vinciane Despret knöpft sich Annahmen vor, die in der Regel nicht infrage gestellt werden. Mal philosophisch, mal kurzweilig widmet sich Despret in 26 Essays provokanten Fragen: Mit wem würden Außerirdische verhandeln wollen? Was interessiert Ratten bei einem Experiment? Können Vögel Kunstwerke erschaffen? Desprets Antworten eröffnen immer wieder neue Perspektiven, durch die der vermeintlich Beobachtende zum Beobachteten wird. Sie sind gespickt mit Berichten von Forscher*innen aus der freien Wildbahn und mit amüsanten Beispielen und Anekdoten aus dem Tierreich.
Rezensent Josef H. Reichholf stimmt der Kritik, die Vinciane Despret hier an Tierforschern übt, insofern zu, als ihre erschreckenden Versuchsbeispiele beweisen, dass ein berechtigtes Interesse nicht jede Vorgehensweise rechtfertigt. Auch fand er den Denkanstoß wertvoll, dass unsere vorgefassten Vorstellungen von sozialen Interaktionen dazu führen, dass wir in Beobachtungen von Tiergruppen hereinlesen, was wir erwarten - hauptsächlich nämlich hierarchische Strukturen. Dennoch ging die Autorin dem Kritiker zu weit, vor allem, wenn sie auch Experimente kritisiert, bei denen Tiere keinen Schaden nehmen, und weil sie unter den Tisch fallen lässt, dass die großen Namen unter den Tierforschern wie Konrad Lorenz oder Jane Goodall die Tiere durchaus in ihrem natürlichen Umfeld beobachtet haben, ohne einzugreifen. Vielleicht hat sich Despret "philosophisch zu weit auf (fach)fremdes Terrain begeben", mutmaßt Reichholf.
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