Eigentlich haben wir es schon immer vermutet: Die Dinge um uns herum führen, unbemerkt und verborgen, ein Leben. Was wir tagtäglich in die Hand, ja zu uns nehmen, Eier, Pommes frites - aber auch der Schrank und der Tisch in der Küche - stehen in reger Verbindung miteinander, und wir erfahren dies im allgemeinen nicht. So philosophieren sie ungestört, über die Leere und den Raum zum Beispiel - der Küchenschrank mit den Gläsern in ihm, die Muschel- mit den Eierschalen. Der Künstler Marcel Broodthaers (1924-1976) hat in seinen Arbeiten diese geheime Existenz der Dinge aufgedeckt. Es gilt das "Theorem der Unsichtbarkeit der perfekten Form", mit der die Alltagsdinge unsere Aufmerksamkeit unterlaufen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 27.02.2004
Endlich einer, der mit frischen Einsichten zum Werk von Marcel Broodthaers aufwartet, freut sich Christiane Meixner über die posthum veröffentlichte Dissertation des verstorbenen Galeristen Rainer Borgemeister. Denn bisher, informiert die Rezensentin, galt der Belgier "als frühester Kritiker des institutionellen Kunstbetriebs oder als Missing Link zwischen Magritte, der Pop-Art und den neuen Realisten" und erreichte besonders unter jüngeren Kollegen Kult- und Vorbildstatus, doch die Deutung seiner Werke kam nie so recht auf erhellende Bahnen. Borgemeister wisse, warum: Indem das Schaffen des früheren Dichters unter rein ikonografischen Gesichtspunkten betrachtet wurde, versuchte man sich mit dem falschen Schlüssel Zutritt zu verschaffen. Denn Broodthaers, so lautet Meixner zufolge die These des Buches, habe "das literarische Genre nie verlassen, sondern 'dichterische Bilder in wirkliche Objekte überführt'" (Borgemeister). Und mit dieser Erkenntnis sei man immerhin einen großen Schritt weiter, auch wenn "das ganze Rätsel Broodthaers" weiterhin einer Lösung harrt.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…