Stefano Bottoni

Orbán

Die Biografie
Cover: Orbán
alhambra press, Budapest 2025
ISBN 9786156682109
Gebunden, 368 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Wie kommt es, dass ein einfacher Junge aus der ungarischen Provinz zu einer politischen Figur werden konnte, die seit Jahrzehnten die politische Szene seines Landes beherrscht? Wie vermochte es dieser Junge, zu einem der größten illiberalen Einflussfaktoren der Welt zu werden? Warum und wie entwickelte sich das heutige Ungarn zu einem neoautoritären Staat? Welches geopolitische Spiel spielt Viktor Orbán, der Ministerpräsident des Landes, zwischen kontinentalen Allianzen und globalen Mächten? Dieses Buch ist eine politische Biografie von Viktor Orbán und zugleich eine historische Analyse der ungarischen Entwicklungen seit 1989. Stefano Bottoni, ein international anerkannter Osteuropa- und Ungarnexperte der Universität Florenz, erklärt den einzigartigen Weg Ungarns seit 2010: Eine unvollkommen funktionierende, aber vollwertige Demokratie wurde durch ein sich ständig radikalisierendes, autoritäres System ersetzt, das zwei Vorbilder hat: Wladimir Putins Russland und das neue Amerika unter Donald Trump. Die Entwicklungen im mitteleuropäischen Land erinnern uns daran, dass die Demokratie stirbt, wenn sie nicht von einem demokratischen Geist erfüllt wird. Das Problem Ungarns ist aber das der Europäischen Union, denn das Orbán-Regime trägt ein illiberales Modell mit globalen Verbindungen in die EU hinein, erkennbar an Orbáns engen Verbindungen zu Alice Weidel in Deutschland oder Herbert Kickl in Österreich.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.03.2026

Rezensentin Verena Mayer liest die Orban-Biografie des Historikers Stefano Bottoni mit besonderem Blick auf die Quellen. Dass Bottoni keinen Zugang zu Orban selbst und seinem Kreis hatte, erscheint ihr wichtig. Dennoch ist dem Autor ein lesenswertes Buch gelungen, findet Mayer. Indem Bottoni auf die "großen Linien" schaut, den Sozialismus und den Postsozialismus, später dann Corona und Ukraineinvasion, kann er die Entwicklung Orbans zum Machtpolitiker und die inhaltlichen Veränderungen in seinem Denken nachvollziehen, meint Mayer. Orbans Erfolg erklärt der Autor laut Mayer damit, dass er Ungarn das Konstrukt einer Identität gab. Auch wenn die Lektüre mitunter etwas sperrig ist, gelingt die Beschreibung des Systems Orban, meint die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.03.2026

Ein starkes Buch über Viktor Orbán und damit eine der "interessantesten politischen Figuren dieser Zeit" legt Stefano Bottoni laut Rezensent Alexander Haneke vor. Wobei es sich, stellt Haneke gleich klar, nicht wirklich, wie der deutsche Titel des Buches nahelegt, um eine Biografie handelt. Die persönliche Prägung und das Innenleben Orbáns interessieren Bottoni nicht, vielmehr beschreibt der italo-ungarische Historiker das politische System Orbán. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Wandel vom Liberalen, der Orbán in den 1990er und noch bis Mitte der Nullerjahre war, zum antiliberalen Rechtspopulisten. Orbán hat offensichtlich früher als andere die Zeichen der Zeit erkannt und vor allem bemerkt, dass die Demokratie, insbesondere auch aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten, in Ungarn nach dem Ende des Sozialismus nie wirklich Fuß fassen konnte, liest der Kritiker, weshalb er sich daran machte, die autoritären Strukturen eben dieses Sozialismus in neuem Gewand wiederzubeleben. Gut gefällt Haneke, dass Bottoni Orbáns Projekt zwar klar kritisch gegenübersteht, in seinen Ausführungen jedoch auf Beschreibung und Analyse anstatt auf Moralisierung setzt. Insofern ein wichtiges Buch, das höchstens, heißt es am Schluss, hier und da etwas arg ausführlich geraten ist.

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