Christian Ströbele ist der letzte aktive Achtundsechziger in der Politik. Er hat sich, anders als Otto Schily und Joschka Fischer, nicht verändert. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Ströbele ist komplexer, widersprüchlicher als sein Image. Er raucht und trinkt nicht - und fehlt bei keiner Demo für die Legalisierung von Cannabis. Er gilt als gesinnungsfester Traditionslinker und hat sich stets machtbewusst in der politischen Arena behauptet. Ströbele hält eisern am linken Antinationalismus fest - und ist in vielem selbst deutsch: willensstark, diszipliniert, traditionsbewusst. Er steht noch immer für außerparlamentarischen Protest - und lässt sich als Parlamentarier an Pflichterfüllung kaum übertreffen. Stefan Reinecke verwebt den weithin unbekannten privaten Lebenslauf von Hans-Christian Ströbele mit bundesdeutscher Zeitgeschichte und zeigt: Es ist möglich, Politiker zu sein, ohne sich den Zwängen des Betriebes zu beugen.
Bis auf die ersten 70 Seiten sei "Ströbele" gar keine Biografie, schreibt Barbara Möller, sondern mehr ein Abriss der Geschichte des linken Deutschlands. Der porträtierte Grünen-Politiker werde darin auf seine Rolle als RAF-Anwalt reduziert, den "Panzer um die Privatperson Hans-Christian Ströbele" könne Reinecke hingegen nicht knacken. Zwar gelinge es dem Biografen auch nicht, die Gründe für die fehlende Einsicht und Selbstkritik Ströbeles im Blick auf den Linksterrorismus zu finden, aber zumindest ergebe diese Sturheit ein Charakterbild. Selbst wenn Barbara Möller Ströbele im direkten Umgang als freundlichen Menschen erlebt hat, zeigt Reineckes Biografie ihres Erachtens, dass "hinter dieser Harmlosigkeit verströmenden Fassade der ungebeugte linke Antinationalist steckt, der seine in Stein gemeißelten Ressentiments gegen die USA und Israel pflegt". Darin liege das Verdienst des Buches.
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