Auf dem Donskoe Friedhof in Moskau liegen 104 der letzten Stalin-Opfer, großteils Österreicherinnen und Österreicher. Sie waren noch in den letzten drei Jahren der Stalin-Herrschaft in Moskau erschossen worden. In geheimen Transporten in die Sowjetunion transportiert, hatte man sie für einige Wochen im größten Moskauer Gefängnis, der Butyrka, festgehalten und danach hingerichtet. Das häufigste Todesurteil lautete antisowjetische Spionage. Bisher geheime Strafprozessakte aus dem einstigen KGB-Archiv, Gerichtsbescheide aus dem Staatsarchiv der Russischen Föderation sowie die Gnadengesuche der Hingerichteten ermöglichen erstmals eine Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels der Besatzungszeit in Österreich. Das Buch beleuchtet die Biografien dieser späten Stalin-Opfer.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2009
Für Reinhart Olt haben der Autor, der Grazer Historiker Stefan Karner und seine Mitarbeiter am Ludwig Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung mit diesem Buch eine Lücke geschlossen. Das Schicksal von 104 österreichischen, von Stalin wegen Spionage zum Tode verurteilten Männern sieht er hier mustergültig dokumentiert. Als entscheidend für die historische Einordnung im ersten und die Rekonstruktion der Opferbiografien im zweiten Teil des Bandes erkennt der Rezensent die Öffnung der KGB- und Staatsarchive und der Strafprozessakten. Die Forscher, so schreibt er, hätten nicht nur den Opfern die Namen wiedergegeben, sondern auch den Angehörigen die Gewissheit.
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