Klappentext

Aus dem Russischen von Helmut Ettinger. Suleika ist eine tatarische Bäuerin. Eingeschüchtert und rechtlos lebt die Mutter von vier im Säuglingsalter gestorbenen Kindern auf dem Hof ihres viel älteren Mannes. Ihr Weg zu sich selbst führt durch die Hölle, das Sibirien der von Stalin Ausgesiedelten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.02.2018

Rezensentin Katharina Granzin freut sich, dass ihr Gusel Jachinas bereits zu Beginn letzten Jahres erschienener Lagerroman doch noch in die Hände gefallen ist. Andernfalls wäre ihr ein, wie sie findet, mitreißende Debüt entgangen, in dem die dramatische Geschichte einer jungen Tartarin erzählt wird, die in den dreißiger Jahren als Arbeitssklavin auf einem Bauernhof lebend, vier Säuglinge verliert, nach dem Einmarsch der Kommunisten als "Kulakin" nach Sibirien deportiert wird und die grausamen Transportbedingungen überlebt. Präzise im Ton, angereichert mit sanfter Naivität und leiser Ironie, hat der Kritikerin diese Mischung aus Abenteuerroman und Volksmärchen gut gefallen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.03.2017

Rezensentin Cornelia Geissler rät dringend zur Lektüre dieses Romans, der so ergreifend wie historisch präzise an die fast vergessenen Verbrechen der Sowjetunion erinnert. Die Kritiker folgt hier der ungebildeten, abergläubischen Suleika, die zunächst aufgrund ihrer tatarischen Herkunft von ihrem Mann wie Vieh gehalten wird und nach dessen Ermordung von einem Trupp Bolschewiki in ein Lager in der sibirischen Taiga verschleppt wird. Wie konzentriert und glaubwürdig die russische Autorin vom Schicksal der sich langsam ihrer Selbst bewusst werdenden Suleika erzählt, ihre Beziehung zu dem Kommandanten und Mörder ihres Mannes, Ignatow, beleuchtet und das Zusammenleben im Lager skizziert, hat die Rezensentin tief beeindruckt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2017

Christiane Pöhlmann hält Gusel Jachinas Darstellung eines Frauenschicksals im Gulag für engagiert im Ansatz, jedoch verharmlosend in der Ausführung. Der mittels ethnografischer Materialien kritisch unterfütterte Blick auf die Sowjetgeschichte gelingt laut Pöhlmann leider nur bedingt. Daran ändert für Pöhlmann auch die wörtliche Authentizität suggerierende Wiedergabe von Dienstvorschriften im Text nichts. Allzu ausschnitthaft bleibt die Historie und allzu läppisch erscheint das Lagerleben hier, findet die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.02.2017

"Atemberaubend" jubelt Rezensent Ulrich M. Schmid über diesen Roman, ein "Glanzstück". Mehr Lob, als Gusel Jachina für ihren historischen Roman von Schmid erhält, kann sich eine Debütantin kaum wünschen. In "Suleika öffnet die Augen" erzählt sie die Geschichte einer jungen Tatarin in der stalinistischen Sowjetunion von 1930 bis 1945, die schon mit ihrem Leben abgeschlossen hat, als es durch die Ermordung der Kulaken eine unerwartete Wendung nimmt: Ihr gewalttätiger Mann wird erschossen, sie fängt eine Affäre mit dem Mörder an, gebärt einen Sohn und wird in den Gulag in Ostsibirien deportiert, wo sie gemeinsam mit anderen Gefangenen in einer Art Solidargemeinschaft lebt und ihren Sohn großzieht. In der leicht romantisierten Darstellung des harmonischen Zusammenlebens im Lager sieht Schmid die einzige kleine Schwäche des Romans, aber nur, wenn man denn unbedingt eine finden wolle. Das Gütesiegel "Meisterwerk" vergibt er ohne Bedenken.