Nach den Erfahrungen mit überzogenen Vernunftkonzeptionen und mit den durch sie provozierten fundamentalen Formen der Vernunftkritik ist es an der Zeit, die Frage nach den Möglichkeiten der Vernunft bescheiden, nüchtern und (re)konstruktiv anzugehen. Die im vorliegenden Band versammelten Artikel international renommierter Philosophen sind als Bausteine für eine solche Theorie der Rationalität zu verstehen. Sie konzentrieren sich ausschließlich auf Fragen und Probleme der praktischen Vernunft, also auf die Frage nach der Rationalität von Handlungen. Eine Handlung nennen wir "rational", wenn sie wohlbegründet ist. Was aber gilt als guter Grund? Was kennzeichnet praktische Gründe, und wie motivieren sie zu Handlungen? Welchen Status haben Motive, Gründe, Wünsche, Zwecke, Normen, Maximen? Um die Reichweite praktischer Vernunft auszuloten, wird auch "irrationales" Verhalten ins Auge gefasst. Und zuletzt ist der Frage nicht auszuweichen: Gibt es eigentlich vernünftige Gründe, vernünftig handeln zu wollen?
Martin Seel erläutert zunächst Horkheimers Scheitern, an das "absolute" Gute glauben zu können, das unabhängig von "zufälligen subjektiven Neigungen" existiert. Dass das Problem selbst nach wie vor aktuell ist, zeigt sich nach Seels Ansicht an dem vorliegenden Sammelband, in dem sich unter anderem Beiträge von Christine Kordgaards über die "Verteidigung des Kantischen Vernunftbegriffs" und Ursula Wolfs Überlegungen zu den "Raffinessen der Willensschwäche" finden. Seel erläutert in seiner Rezension selbst die verschiedenen Standpunkte zu rationalem Verhalten und ihren Motiven, die Frage, ob subjektive Motive objektiv begründet oder ob Motive durch eine individuelle Zielsetzung rechtfertigt werden können. Anschließend vergleicht er die Thesen des Herausgebers, der sein `Interesse an Vernunft und Rationalität` mit einem `Interesse an Begründungen, Aufklärung (...) und an Autonomie` erklärt, mit den Thesen Horkheimers.
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