Julian Nida-Rümelin

Strukturelle Rationalität

Ein philosophischer Essay über praktische Vernunft
Reclam Verlag, Stuttgart 2001
ISBN 9783150181508
Kartoniert, 176 Seiten, 4,60 EUR

Klappentext

"Strukturelle Rationalität" - mit diesem Begriff belegt Julian Nida-Rümelin seine analytische Konzeption praktischer Vernunft. Sie bildet den Hintergrund, vor dem der Autor zentrale Themen der praktischen Philosophie diskutiert: Handlungsfreiheit, Kooperation, Kommunikation, Kohärenz, Willensschwäche, Handlungsverantwortung u.a.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.04.2002

Rezensent Michael Schefczyk zeigt sich recht beeindruckt von Nida-Rümelins philosophischen Leistungen. Mit seiner "Kritik des Konsequenzialsmus" (1993), in der er gegen eine Auffassung von Rationalität argumentierte, nach der nur vernünftig handelt, wer die besten Folgen anstrebt, wies sich Nida-Rümelin nach Ansicht des Rezensenten nicht nur als Kenner von Entscheidungs- und Spieltheorie aus, sondern überzeugte auch durch seinen Sinn für die größeren Zusammenhänge. In seinem philosophischen Essay "Strukturelle Rationalität" sucht Nida-Rümelin nach Auskunft des Rezensenten nun den "positiven Teil" seines philosophischen Projekts - einer als strukturellen Rationalität verstandenen praktischen Rationalität - auszubuchstabieren - was ihm zumindest in den Augen des Rezensenten bestens gelingt. Im Zentrum von Nida-Rümelins struktureller Sichtweise findet der Rezensent die Auffassung, dass sich Einzelhandlungen im Rahmen größerer Strukturen wie der gewählten Lebensweise und den Formen gesellschaftlicher Kooperation ereignen. Sofern wir diese Strukturen erhalten wollten, mache es deshalb Sinn, im Einzelfall strukturerhaltend zu handeln, auch wenn dies nicht unseren aktuellen Wünschen entsprechen und nicht im engeren Sinne vorteilhaft für uns sein sollte. Zur Vertiefung empfiehlt der Rezensent abschließend die Lektüre der einschlägigen Passagen in Nida-Rümelins Aufsatzband "Ethische Essays", in denen "der Fürstreiter der Strukturen sein Können gegen die philosophische Konkurrenz auf die Probe stellt".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.02.2002

Stefan Gosepath zeigt sich recht angetan davon, wie Julian Nida-Rümelin sein Programm der "Strukturellen Rationalität" in "kompakter Form" und "unbelastet von technischen Details und vielen Fußnoten" ausführt. Gegen das Modell der instrumentellen Mittel-Zweck-Rationalität bei der Begründung von Handlungen setzt Nida-Rümelin sein Modell der strukturellen Teil-Ganzes-Rationaliät, das er "strukturelle Rationalität" nennt. Danach gilt eine individuelle punktuelle Handlung als rational, sofern sie in ein übergeordnetes Ganzes einer mit guten Gründen vertretenen Handlungsstruktur eingebettet ist. Auch wenn Nida-Rümelin nach Ansicht des Rezensenten nicht wirklich überzeugend zu zeigen vermag, warum es rational ist, einer selbstgesetzten Regel oder Struktur zu folgen, spendet er dem Philosophen ausgiebig Lob: schließlich gelinge es Nida-Rümelin "ein alternatives Model der Rationalität zu etablieren, gerade weil es viele Fälle so plausibel als rational darzustellen hilft".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.12.2001

Der Held dieser philosophischen Untersuchung ist der strukturell rationale Mensch, dessen Handeln und Empfinden vernünftig zusammenhängt. Manfred Geier zeichnet in seiner Rezension dieses Menschenbild nach und macht in seiner karikaturesken Überzeichnung diesen Helden, in dem er nicht zuletzt den Autor selbst erkennt, zur Lachfigur. Statt Freude am Essen hat die "strukturell rationale Person" "bestimmte angenehme Empfindungen" und glücklich ist sie, wenn ihr keine "Spontaneität" abverlangt wird, wenn sich, kurz gesagt, das Leben so grundvernünftig verhält, wie man es als "Kohärentist" erwartet. Was Geier von all dem hält, macht er weniger in den gelegentlichen klaren Worten deutlich, als dadurch, dass er das alles schlicht nicht Ernst nimmt. Der Rationalist, den Nida-Rümelin beschreibt, ist für den Rezensenten ein "philosophischer Homunkulus" und wenn der Philosoph das als Selbstbeschreibung gemeint haben sollte - dann umso schlimmer für ihn.
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