Niemand steht so wie Max Horkheimer für das, was in den 1960er Jahren die Bezeichnung "Frankfurter Schule" erhielt. Der Sohn eines Textilfabrikanten übernahm 1930 die Leitung des marxistischen "Instituts für Sozialforschung" mit dem Ziel, der von Konkurrenz und Gewinnstreben bestimmten Welt seines Vaters die Alternative eines der Erkenntnis gewidmeten und von Solidarität geprägten Lebens gegenüberzustellen. Durch die Nazis ins Exil gezwungen, wurde das Institut zu einem Ort der Zusammenarbeit von Intellektuellen verschiedener Disziplinen und prägte auch nach der Rückkehr nach Deutschland die geistige Entwicklung der Bundesrepublik. Die neue, aktuelle Darstellung von Horkheimers Leben und Werk bietet eine Einführung und eine Gesamtschau dieses zentralen Denkers des 20. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.12.2013
Detlev Claussen ist ziemlich ungehalten über Rolf Wiggershaus' Horkheimer-Biografie: Lediglich Anfängern in Sachen Kritischer Theorie möchte er einen Nutzen aus diesem Buch in Aussicht stellen, Lob findet immerhin noch Wiggershaus' Rechercheaufwand. Doch abseits solcher Zugeständnisse hagelt es Schelte: Krumm nimmt der Kritiker dem Autor nicht nur, dass dieser Horkheimer von Habermas und dessen "Frankfurter Schule" aus kommend einschätzt, wo sich diese - wie Claussen findet: lediglich behauptete - Theorietradition erst nach Horkheimers Tod gebildet hat: Doch während die "Frankfurter Schule" bewusst den Einzug in die Wissenschaft sucht, war die Kritische Theorie im Ursprung als revolutionäre Gesellschaftskritik angelegt und gegenüber dem Wissenschaftsbetrieb und dessen Glaube an die Aufklärung höchst skeptisch. Auch rauft sich der Rezensent manches Haar darüber, dass Wiggershaus Horkheimers Texte als biografische Belege heranzieht: "Aus einem Wald der Erkenntnis wird biografistisches Kleinholz", ätzt Claussen, der hier einen intellektuellen Großmeister mit scharfem Blick für die Katastrophen seiner Zeit zum akademischen Stubenhocker degradiert sieht.
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