Slavoj Zizek

Weniger als nichts

Hegel und der Schatten des dialektischen Materialismus
Cover: Weniger als nichts
Suhrkamp Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783518585993
Gebunden, 1408 Seiten, 49,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Frank Born. Seit zwei Jahrhunderten operiert die westliche Philosophie im Schatten von Hegel. Es ist ein sehr langer Schatten, und jede neue Philosophengeneration ersinnt seither neue Wege, um aus ihm herauszutreten. Slavoj Žižek unternimmt in seinem monumentalen Buch erst gar nicht den Versuch, aus diesem Schatten herauszutreten, macht es sich aber auch keineswegs darin bequem. Seine Devise lautet nicht: Zurück zu Hegel! Sondern: Wir müssen hegelianischer sein als der Meister selbst, um wie er, allerdings unter völlig veränderten historischen Bedingungen, die Brüche und Verwerfungen in der Realität verstehen und kritisieren zu können.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.05.2015

Fritz Göttler findet Slavoj Zizeks Buch praktisch, trotz seiner 1400 Seiten! Was Hegel und den Idealismus so aktuell macht, erfährt Göttler hier, aber auch, warum Hegel nicht idealistisch genug war, um das Spekulative des Kapitalismus zu erkennen. Dass der Autor alles daransetzt, Hegel in der Diskussion zu halten, findet er ehrenhaft. Zizeks hier nachzulesende Definitionen und Kontextualisierungen scheinen ihm dazu gut geeignet, trotz ihrer mitunter tautologischen Darbietung. Vor allem, wenn der Autor zeigen kann, dass Geschichte keine lineare Bewegung ist, sondern von Strömungen und Gegenströmungen lebt, von Wirbeln und Nebenflüssen. Vor diesem Hintergrund geht dem Rezensenten auch auf, dass Zizeks Interventionen zu Islamismus, Occupy und Varoufakis kein Klamauk sind.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.02.2015

Otto A. Böhmer hätte sich bei Slavoj Žižeks Buch "Weniger als nichts" ein paar Kürzungen gewünscht. Eintausendvierhundert Seiten Žižek fordern an sich schon einen Kraftakt, so der Rezensent, zu seinem Verdruss schweift der Philosoph aber auch oft gehörig ab. Im Buch geht es viel um die nur scheinbar vertraute "Mutter aller Viererbanden", wie es bei Žižek heißt: Kant, Fichte, Schelling, Hegel, zählt Böhmer auf, der Deutsche Idealismus soll zu seinem späten Recht gebracht werden. Die Denkanstöße, die Žižek hierzu gibt, sind wie gewohnt abseits der philosophischen Trampelpfade, dafür hochpolitisch und erkenntnisreich, verspricht Böhmer, der allerdings das neuerliche "Nörgeln" der hochseriösen Kollegen schon erahnt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.02.2015

Markus Gabriel, Professor für Erkenntnistheorie in Bonn, ärgert sich ein wenig über Slavoj Žižeks neues Buch "Weniger als nichts". Wer noch nichts von Žižek gelesen hat und einen Überblick möchte, dem sei das Buch ans Herz gelegt, so der Rezensent, wer die Veröffentlichungen des Philosophen aus den frühen Neunzigern aber verfolgt hat, dem wird auf etwa eintausendvierhundert Seiten kaum Neues geboten: Žižeks eigenwillige Deutungen des deutschen Idealismus, Platon-, Kant-, Fichte- und Hegel-Interpretation plus Lacans Psychoanalyse, fasst Gabriel zusammen. Erst am Ende präsentiert Žižek ein paar neue Gedanken, die seinen persönlichen Idealismus mit der theoretischen Quantenphysik zusammendenken wollen, wobei ausgerechnet dieses Kapitel eher schwach argumentiert ist, bedauert der Rezensent, der sich wünschen würde, dass Žižek endlich einmal seine Denkväter ruhen lässt und seine Theorien eigenständig formuliert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2015

Dietmar Dath würdigt Slavoj Zizeks neuen Tausendseiter "Weniger als nichts" mit einer ebenso gelehrten wie ausladenden Besprechung, kann dem Werk dann aber doch nicht allzu viel abgewinnen. Denn der Weg, den Zizek hier von der Philosophie des deutschen Idealismus bis in die Gegenwart (und Kritik an ihr) zeichnet, erscheint dem Kritiker wenig stringent. Dath zeigt sich weder überzeugt von Zizeks Versuch, Marx' Verständnis von Hegels Ideenfrage umzudeuten, noch unterschreibt er Zizeks Bestreben, Deleuze und Guattaris antipsychoanalytischen Thesen psychoanalytisch zu deuten, wenn er für den Begriff der "Wunschmaschinen" schlicht "Triebe" einsetze. Überhaupt missfällt dem Kritiker Zizeks Drang, sich wirklich zu allem getreu dem Prinzip "Einen hab ich noch" äußern müssen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 24.01.2015

Als großen Porno über das Denken, als actionmäßige Verfolgungsjagd nach Hegel und seiner Philosophie und Buch über alles bezeichnet Andreas Rosenfelder vielsagend nichtssagend Slavoj Žižeks neues, imerhin 1408 Seiten dickes Werk. Das Buch ist der Hammer, meint Rosenfelder, und illustriert die Philosophie des deutschen Idealismus schon durch seine schiere Größe. Innen drin aber geht's wirklich ums Ganze, Hegel, Heidegger, Kleist, die Liebe, den Papst etc. Vor allem aber begegnet sich das Denken selbst beim Lesen, wie Rosenfelder versichert, auch wenn er selbstredend nicht alle Seiten durchgelesen hat (was für eine irre Idee!). Dass der Autor hier als triebgesteuerter Hegelianer auftritt, lässt den Rezensenten Žižeks Sprunghaftigkeit übrigens endlich besser begreifen.