Simon Reynolds

Retromania

Warum Pop nicht von seiner Vergangenheit lassen kann
Cover: Retromania
Ventil Verlag, Mainz 2012
ISBN 9783931555290
Gebunden, 424 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Chris Wilpert. Wir leben in einem Zeitalter des Pop, das völlig verrückt ist nach ständiger Erinnerung: Wiedervereinigungen von Bands und endlose Reunion-Touren, umfangreiche Wiederveröffentlichungen von Klassikern, mit Outtakes vollgestopfte Box-Sets, Neuverfilmungen oder Fortsetzungen sattsam bekannter Filme, Nostalgie-Shows und Bildbände über drittklassige TV-Stars aus der Kindheit ... Nur: Was wird passieren, wenn der Popindustrie die Vergangenheit ausgeht? Steuern wir auf eine Art kulturell-ökologische Katastrophe zu, wenn das Archiv restlos geplündert und der Strom der Popgeschichte endgültig versiegt ist? Simon Reynolds behauptet, dass wir längst den kritischen Punkt überschritten haben. Auch wenn sich in früheren Dekaden obsessiv mit der Vorzeit auseinandergesetzt wurde, nie zuvor war eine Gesellschaft so besessen von den kulturellen Produkten ihrer unmittelbaren Vergangenheit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.12.2012

Sebastian Dörfler kann seine Sympathie für den Autor und seine Enttäuschung über die nicht eingehaltenen Versprechen des Pop, über das Anwachsen der Retro-Blase stattdessen, nicht verhehlen. Wie Simon Reynolds in seinem Buch den regressiven Geist des Recyclens in der Popmusik gesamtgesellschaftlich perspektiviert und erläutert, hält Dörfler für ganz und gar nicht retro. Wer die schreckliche Pop-Nostalgie samt Dauerrauschen der MP3-Bibliothek verstehen will, muss das Buch lesen, rät der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.11.2012

Das ist mehr eine Wucherung als ein Buch, gibt Rezensent Thomas Groß zu. Nie ist ein Gedanke abgeschlossen, immer weiter mäandert der Musikjournalist Simon Reynolds durch sein Thema: Die Retrobesessenheit der heutigen Musik. Reynolds fächert das alles wunderbar aus, schreibt über das Samplingwesen, die Besessenheit des Sammlers, verirrt sich hierhin, dann dorthin, diskutiert Aspekte in seinem Blog weiter. Das ist nichs für Analytiker, so Groß, aber "ausschweifende Leser" werden es lieben. Und das Ergebnis? Scheint etwas neues am Horizont auf? Nun ja, meint Groß. Reynolds entwickelt einen verlockenden und gar nicht so unstimmigen Vergleich zwischen Musik- und Finanzbranche: beide handeln nicht mehr mit Waren der Realwelt, sondern mit Meta-Ware, Ideen. Wenn aber die Finanzblase platzen kann, dann auch die Musikretroblase. Science Fiction, lernt daraus der Kritiker, ist das Genre, in dem Kulturkritik heute verfasst wird.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.10.2012

Für Christian Werthschulte hat das Buch von Simon Reynolds, das bereits einige Zeit in der Diskussion und nun endlich auf Deutsch erhältlich ist, nichts von seiner Aktualität verloren. Pop, meint er, befindet sich noch immer in der Retro-Schleife und mehr denn je. Zwar gesteht der Autor seine Faszination für Reunion-Konzerte, bleibt im Ganzen jedoch seiner These treu, wonach Pop mehr kann. Werthschulte nennt das den normativen Kern des Buches, der auf die Fähigkeit von Popmusik verweist, die Gegenwart, schockartig in Richtung Zukunft deutend, recht gut zu beschreiben. In seinen Grundzügen kein ganz neuer Gedanke zwar, wie der Rezensent meint, und bei Reynolds auch nicht durchgehend begrifflich stichfest, doch mit den konkreten Bezügen zur Musik, wie sie der Autor liefert, eigentlich doch recht wegweisend, findet Werthschulte. Und unter diesem Gesichtspunkt kann er auch den üppigen Verweisapparat des Buches ertragen.