Herausgegeben von Jochen Bonz, Juliane Rytz und Johannes Springer. "Ich bin neu in der Hamburger Schule und vielleicht komm? ich hier nie wieder raus", sangen Tocotronic 1995 und betonten damit - wenn auch mit kritischem Unterton - ihre Zugehörigkeit zu einer Szene, die damals zum popkulturellen Kanon gehörte. Heute ist der Diskurspop aus Hamburg Geschichte - seine Bedeutung für die deutsche Popkultur ist jedoch noch immer zu spüren. Dieses Buch nähert sich der Hamburger Schule in ausführlichen Interviews mit zehn Protagonistinnen, die als Musikerinnen, Labelbetreiberinnen, Konzertveranstalterinnen, DJs oder Journalistinnen die Szene maßgeblich prägten. Bislang wurde die Bedeutung von Frauen für die Entwicklung dieser Subkultur sträflich vernachlässigt, zu sehr standen Bands wie Tocotronic, Blumfeld oder Die Sterne im Mittelpunkt des Interesses.
Für Sylvia Prahl ist die Geschlechterfrage eigentlich zweitrangig. Wer was wann zum Phänomen Hamburger Schule oder auch nur zu Pop aus Hamburg beigetragen hat, hätte sie auch einfach unter dem Aspekt der Sichtbarmachung weniger bekannter Gesichter gern gelesen. Wenn nun der Bremer Kulturwissenschaftler Jochen Bonz Frauen wie die 5-Freunde-Sängerin Julia Lubcke oder die Lado-Grafikerinnen Myriam Brüger und Charlotte Goltermann zu ihrer Zeit und Rolle zwischen Bands wie Die Sterne und Die Goldenen Zitronen befragt, genießt Prahl den frischen Wind einer uneinheitlichen Oral History, die ein für sie erstaunlich gegenwärtiges Lebensgefühl vermittelt. Es geht um Unabhängigkeit im kreativen Geschäft und die beglückende Durchdringung von Privatleben und Beruf, aber auch um Männerbünde und die Notwendigkeit, als Frau manchmal laut zu sein. Für Prahl eine erfreuliche kleine Kulturgeschichte aus Sicht der Frau.
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