Welche Rolle spielen Subkulturen in der israelischen Gesellschaft? Welche gegenkulturellen Sehnsuchtsorte haben sich angesichts der permanent angespannten politischen Lage entwickelt? In einem solchen Kontext, das zeigt Avi Pitchons autobiografische Reise durch die Subkulturen des Heiligen Landes, entwickeln sich Jugendkulturen wie Punk und New Wave gänzlich anders, als man dies aus Amerika und Westeuropa kennt. Die reale Bedrohung des eigenen Lebens durch Ereignisse wie den Libanonkrieg 1982 hat die Generation des 1968 geborenen Pitchon mit dem Bedürfnis nach einer, zumindest imaginären, Flucht aus der politischen Realität ausgestattet und diesem Bedürfnis hat Punk einen Ort gegeben.
Pitchon beschreibt in "Rotten Johnny and the Queen of Shivers" die Ankunft westlicher Popkultur in Israel, die eigenwillige Interpretation von Punk, seine eigene Politisierung und die lebendige Musikszene des Landes. Produktive Missverständnisse in der Überführung westlicher Popkultur nach Israel haben der Szene des Landes eine sehr individuelle Prägung gegeben.
Kevin Zdiara erfährt etwas über die subkulturelle Seite Israels in Avi Pitchons Lebenserinnerungen. Wie es war, in den Achtzigern in Israel Punk zu sein, gegen ein linkszionistisch jüdisches Elternhaus aufzubegehren und sich zum Pazifismus und damit gegen den Krieg gegen die arabischen Länder zu bekennen, kann ihm der Autor mit Fokus auf seine persönliche Entwicklung auseinanderesetzen. Bedauerlich findet Zdiara, dass die Punklegende Pitchon den politischen Kontext zu sehr vernachlässigt und den Eindruck vermittelt, Israel sei ein ganz normales Land. Als Zeugnis der israelischen Punks aber überzeugt ihn das Buch durch Spannung und Kurzweil.
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