Siglinde Bolbecher, Konstantin Kaiser (Hg.)

Lexikon der österreichischen Exilliteratur

Deuticke Verlag, Wien 2000
ISBN 9783216305480
Gebunden, 560 Seiten, 41,93 EUR

Klappentext

Lexikalisch erfasst sind jene Autorinnen und Autoren, die - in Österreich geboren oder durch Österreich kulturell entscheidend geprägt - aus politischen oder rassistischen Gründen verfolgt wurden, wobei auch jene einbezogen wurden, denen die Emigration nicht gelang, die sich am Widerstand beteiligten oder sich durch "innere Emigration" widersetzten. Jeder Schriftsteller/jede Schriftstellerin wird in einer Kurzbiografie vorgestellt, die Auskunft über den beruflichen und literarischen Werdegang gibt, den Exilweg und erlittene Verfolgungen beschreibt, auf die Mitarbeit bei Zeitschriften und Organisationen des Exils hinweist und wichtige Lebensdaten für die Zeit nach 1945 erfasst. Bibliografisch erfasst sind auch die selbständigen Publikationen der Exilzeit (bis etwa 1950), die im Exil entstandenen Werke sowie die Werke von Vertriebenen, in denen die Themen Faschismus, Nationalsozialismus, Verfolgung und Holocaust eine wichtige Rolle spielen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.06.2001

Recht nützlich findet der Rezensent mit dem Kürzel "haj" dieses Lexikon über österreichische Schriftsteller im Exil, weil es die besondere Geschichte der österreichischen Exilanten verdeutliche und dabei gute, sachliche und solide Informationen biete. Besonders lobenswert findet er, dass neben den bekannteren Autoren wie Musil, Canetti und Stefan Zweig auch unbekanntere Autoren Erwähnung finden. Der einzige Kritikpunkt ist für den Rezensenten, dass einige "Personen angeführt (werden), deren Gewicht nicht unbedingt auf dem Literarischen liegt", dabei aber wirklich einflussreiche Personen wie etwa Sigmund Freud außen vor geblieben seien.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2001

Nach Egon Schwarz sollte allein schon das Vorwort dieses Lexikons in allen Schulen gelesen werden, besonders weil hier den üblichen Formulierungen im Zusammenhang mit Exil und Verfolgung auf den Zahn gefühlt wird. Als Beispiel dafür nennt Schwarz die Formulierung `ins Exil gehen`, zu der deutlich gemacht werde, dass Exil nicht etwas Feststehendes ist, sondern erst `erschlichen, erkauft und erbettelt werden musste`. Doch auch sonst ist Schwarz sehr angetan von diesem Band. Nicht nur werden hier unangenehme Wahrheiten "unverblümt" angesprochen, etwa was die Billigung von Nazi-Verbrechen durch die österreichische Bevölkerung betrifft. Besonderes Lob gilt den Autoreninformationen, die sich mit dem Verhalten der Schriftsteller während der Zeit des Austrofaschismus` befassen, wobei dem Rezensenten besonders die Grenzfälle interessant erscheinen. Insgesamt hat Schwarz zwar einige Ungenauigkeiten und auch Fehler in diesem Lexikon entdeckt, doch summa summarum weiß er die Fülle des Materials, die Übersichtlichkeit, die Bebilderung, das Verzeichnis der Pseudonyme und vieles mehr durchaus zu schätzen: "Eine Fundgrube", meint der Rezensent.
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