Herausgegeben von Ingrid Belke. In der Gesellschaftsbiografie "Jacques Offenbach", die erstmals 1937 in Amsterdam erschien, hat Kracauer nicht nur den bewegenden Aufstieg des Komponisten erzählt; er berichtet gleichzeitig vom Durchbruch der Moderne unter Louis Philippe (1830 - 1848) und porträtiert vor allem die Gesellschaft des Zweiten Kaiserreichs (1852 - 1870), die Weltstadt Paris, die mit ihren Salons, Cafes, Theatern und Boulevards, ihren Zeitungen, technischen Erfindungen und dem Aufstieg des Finanzkapitals der großen Operette erst zum Durchbruch verhilft, während diese durch Spott und Parodie dazu beiträgt, das Regime zu sprengen. Diese Neuausgabe, die auch weitere, die Darstellung ergänzende Dokumente enthält, wurde mit Annotationen und einem kommentierten Personenregister versehen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.03.2006
Erst die "materialreichen" Anhänge der Neuausgabe von Siegfried Kracauers Werken haben Hendrik Feindt deutlich gemacht, dass die "Gesellschaftsbiografie" von Jacques Offenbach und seiner Zeit ebenso wie die "Theorie des Films" im französischen Exil entstanden ist. Feindt deutet deutet die damalige Beschäftigung mit der Operette und dem Kino als Gegenentwurf zum "Todernst" der damaligen Weltgeschichte. Ein Problem allerdings identifiziert der Rezensent, dass Kracauer mit anderen Exilschriftstellern teile. Sie arbeiten die ihnen fremd gewordenen Gegenwart in die "teils fiktionale, teils faktografisch beschriebene Vergangenheit" von historischen Biografien und Romanen ein. Das produziert laut Feindt aber immer zwangsläufig "Bruchstellen zwischen diagnostischem Denken und erwünschten Idealen".
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