Das wahre Leben ist anderswo. Sagen die Leute. Karla, Raul, Anna und Bert suchen es überall. Im Café, beim Schönheitschirurgen, unter Callboys. Und schließlich sogar in Amerika. Sie leben ein Leben, gegen das es nicht viel zu sagen gäbe. Wären da nicht die ewigen Träume vom großen Glück, von großer Liebe und von noch größerer Karriere.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 11.11.1999
In einer halbherzig positiven Kritik weist Michael Kohtes auf ein "Wunder" hin. anders als in ihren früheren Romanen schlachte die Autorin ihre Figuren am Ende nicht einfach ab, sondern lasse sie diesmal in ihrer banalen Glückssuche am Rande kalifornischer Swimming Pools das Glück tatsächlich finden. Die Frage sei dann nur: Was stellt man mit diesem Glück eigentlich an? Dies sei, popironisch getrübt, "der Kitschroman eines Kitschromans".
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 13.10.1999
Ob Eva Berendt Gefallen an diesem Roman gefunden hat, wird in ihrer Rezension nicht recht deutlich. Zwar beschreibt sie den Inhalt mit recht drastischen Formulierungen, aber das Auftreten von "Zivilisationszombies" und "German Psychos" muss ja per se nicht Schlimmes bedeuten. Zumindest stellt sie fest, dass sich "eine Art rabiate Zeit- und Gesellschaftskritik" in diesem Buch nicht leugnen lässt. Und im Unterschied zu früheren Romanen spielen sich die schlimmen Dinge vorwiegend in den Gedanken der Protagonisten ab und nicht in der Wirklichkeit. Insgesamt scheint die Rezensentin ein wenig ratlos mit diesem Buch zu sein. Was das Besondere an ihm ist? Vielleicht die Tatsache, dass Berg sich in ihrem Roman als Autorin manchmal direkt anspricht und Kommentare abgibt. Berendt vermutet, dass damit klargestellt werden soll, dass zwischen ihr und "ihren erbärmlichen Loser-Helden" durchaus eine Distanz besteht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.1999
Das ist mal ein richtiger Verriss. Dieter Thomä findet eigentlich nichts Gutes an dem "Zeitgeistphänomen" Sibylle Berg. Es ist, als hätte sie in ihrem "Amerika" von Goethe und Kafka nur die Schwächen übernommen, schreibt Thomä, von Kafka die Unkenntnis Amerikas, von Goethe das Gekünstelte in der Darstellung und Verflechtung von Beziehungen. Bergs Buch wimmelt nach Thomä von Klischees und banalen Sinnsprüchen, die er nicht ohne Spott auflistet. Statt zum Buch rät Thomä zum Kino: Mika Kaurismäkis "L.A. Without a Map" schaffe, was Berg nur gern geschafft hätte: ein Kunstwerk über Los Angeles und "Menschen auf der Suche".
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