Sascha Ehlert
Palo Santo
Roman

Claassen Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783546101110
Gebunden, 240 Seiten, 22,00 EUR
ISBN 9783546101110
Gebunden, 240 Seiten, 22,00 EUR
Klappentext
Golo und Hedi haben beschlossen, ihr Leben miteinander zu verbringen. Nur eine U-Bahnstation und einige Jahrzehnte trennen die beiden vom legendären Filmregisseur Billy Wilder. Die drei eint: nicht nur Berlin in den Zwanzigerjahren, sondern auch der Traum von einem Leben in Los Angeles. In Palo Santo geht es nicht um eine, sondern um drei Aussteigergeschichten, um den Sehnsuchtsort Kalifornien, der unendliche Freiheit verspricht, aber dieses Versprechen nur zu einem hohen Preis einlöst.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.09.2025
Wie sich Rechtspopulismus in urbane Hedonistenmilieus einschleicht, liest Rezensent Felix Stephan im Roman von Sascha Ehlert, dem Chefredakteur des Magazins Das Wetter. Laut Stephan geht es um ein Berliner Pärchen, das vor dem Rechtsruck im Land nach L.A. flüchtet, bloß, um dort umso mehr auf sein Deutschsein zurückgeworfen zu werden. Dass die Verletztheit der kosmopolitischen Hedonisten im Buch sichtbar wird, scheint Stephan zu gefallen. Eine aktuelle Emigrationsgeschichte, die der Autor mit der Billy Wilders parallelisiert, so der Rezensent. Leser des Wetters, meint er, könnte der Tonfall des Romans bekannt vorkommen.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.07.2025
Wohlwollend bespricht Rezensent Moritz Baßler Sascha Ehlerts Roman über zwei Berliner Kreative, die angesichts der politischen Verwerfungen der Gegenwart ihren inneren Billy Wilder beschwören. Der sich dann auch tatsächlich als Romanfigur materialisiert und mit den beiden Protagonisten, Golo und Hedi, interagiert. Das Buch vollzieht laut Kritiker Wilders Lebensweg nach, seine Anfänge im Journalismus, später das Exil in Hollywood und die Beschreibung der Entnazifizierungsbemühungen in Deutschland in Filmen wie "One, two, three". Zu den Thesen, die im Roman auftauchen, zählt laut Baßler, dass der Faschismus sich auch als ästhetische Korruption zeigt und deshalb durch bessere Ästhetik bekämpft werden muss - konkret lernt dies insbesondere Hedi, die selbst Filme dreht. Damit ist Ehlert im Popdiskurs angekommen, und er kennt sich durchaus gut aus, auch wenn sein Roman weniger auf schrille Hippness hinausläuft, als auf melancholisches Dandytum mit Räucherstäben. Sprachlich findet Baßler das alles nicht immer originell genug, wobei Ehlert durchaus gelegentlich griffige Sätze gelingen. Insgesamt, so könnte man die Besprechung zusammenfassen, legt der Autor hier keinen großen Wurf vor, aber doch eine gelungene Reflexion über Politik und Pop und auch über die Sehnsucht nach Amerika.
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