T.C. Boyle

No Way Home

Roman
Cover: No Way Home
Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN 9783446284234
Gebunden, 384 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren. Terry, ein Arzt aus Los Angeles, zieht nach dem Tod seiner Mutter in ihr Haus in Boulder City in der Wüste Nevadas. Eigentlich wollte er es verkaufen, wäre er nicht in einer Bar Bethany begegnet, die sich bei ihm einquartiert - gegen seinen Willen. Der eigenbrötlerische Terry kann ihr nicht widerstehen. Aber da ist auch noch ihr eifersüchtiger Ex-Freund Jesse, der immer wieder auftaucht und ihn warnt: "Sie ist Gift". Mitten in der Wüste geraten die beiden Männer aneinander. 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2025

Viel verschenktes Potential sieht Daniel Haas im neuen Roman von T.C. Boyle. Erzählerische Kraft entfaltet der Autor vor allem in den "giftigen" Dialogen zwischen seinen Hauptfiguren, die in einer toxischen und gewalttätigen Dreiecksbeziehung feststecken. Aber für vierhundert Seiten reicht das leider nicht zu einer guten Lektüre aus, bemängelt der Kritiker. Da hätte ein sorgfältiges Lektorat gut getan, das sich vielleicht der unnötigen Nebenfiguren und stilistischen Entgleisungen angenommen hätte. Die einfließende Sozialkritik ist wie immer stichhaltig, gibt Haas zu, erst durch die Ausbeutung in der Gesellschaft werden Boyles Figuren zu den frustrierten und fiesen Individuen, die sie sind. Aber auch hier: als Novelle oder Drehbuch hätte das wohl besser funktioniert, urteilt der  unzufriedene Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.09.2025

Der viel bewanderte T.C. Boyle widmet sich nach sprechenden Affen und Klimakatastrophen diesmal einer um romantische Obsession und Abhängigkeit kreisenden Dreiecksgeschichte, resümiert Rezensentin Irene Binal. Um sich nach dem Tod seiner Mutter um ihr Haus und Haustier zu kümmern, reist Assistenzarzt Terry in das Wüstenkaff Boulder City. Dort trifft er auf die abenteuerlustige Bethany, die sich nach ihrer kürzlichen Trennung und anschließenden Unterkunftslosigkeit schnell mit Terry anfreundet und noch schneller bei ihm einzieht. Als dann noch Bethanys besagter Ex-Freund und Biker-Boy Jesse das erfährt und Bethany zurückgewinnen möchte, sind die Weichen gestellt für den Kampf um Bethany. Boyle entwickelt dieses zwischen den Perspektiven der drei Figuren wechselnde Psychogramm zwar mit eloquenter Routiniertheit, doch Binal findet viel Rost in dieser Routine; es fehle das Außergewöhnliche in dieser auch völlig humorbefreiten Konstellation. Selbst der Rückgriff auf Boyles bekanntes Umweltthema - Jesse arbeitet parallel an einem Roman über den Hoover-Damm - kann da wenig retten. Nur der Perspektivwechsel sorgt für eine reizvolle Doppelbödigkeit, aber dennoch kein großer Wurf, schließt die Kritikerin. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.09.2025

Rezensent Leon Frei zieht einen überraschenden Vergleich: An Thomas Mann erinnere ihn der neue Boyle, und zwar in seinem "strengen Dualismus" zwischen Gefühl und Ratio. Im Zentrum von Boyles neuem Roman steht Terrence, ein angehender Arzt aus Los Angeles. Nach dem Tod seiner Mutter muss er sich um deren Hündin Daisy und das Haus in Nevada kümmern. Widerwillig reist er nach Boulder City, wo er auf die junge Bethany trifft. Daraus entwickelt sich eine Dreiecksbeziehung mit Bethanys Exfreund Jessy, ein kompliziertes Geflecht aus Abhängigkeit, Macht und Gefühlen, lesen wir. Präzise wird der Gegensatz zwischen der rationalen Krankenhauswelt von L.A. und der chaotischen Weite Nevadas beschrieben. Daisy, die trauernde Hündin, wird dabei fast zur Symbolfigur: Sie zeigt die Gefühle, die Terrence selbst verdrängt. Spannend ist auch die Figur Jesse, einem Boyle nicht unähnlich: Drogenerfahrungen, Lehrerjob, Schreibseminare und erste Kurzgeschichten prägen ihn. Jesse schreibt eine Geschichte über den Hoover Dam - vielleicht die Geschichte, die Boyle ursprünglich selbst schreiben wollte. Detektivisch fragt sich der Kritiker, wie autofiktional all dies ist. Wie bei Mann bleibt das Ergebnis ambivalent, die Konflikte zwischen Rationalität und Emotionalität unaufgelöst, schließt Frei, der das alles ziemlich spannend findet. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.09.2025

Eine "sinistre Geschichte", allerdings mit "hohen Unterhaltungspotenzial" liest Rezensentin Judith von Sternburg mit T.C. Boyles neuem Roman. Es geht um drei verflochtenen Leben in Boulder City in Nevada, das von Terry, der Arzt in einem Krankenhaus ist, von Bethany, in die er sich verliebt und das ihres Ex-Freundes Jesse, einem trinkenden Taugenichts. Diese Dreiecksbeziehung entwickelt für die Kritikerin einen ganz eigenen Sog, auch dadurch, dass zwar aus den unterschiedlichen Perspektiven verschiedene Versionen der Wahrheit erzählt werden, Boyle allerdings auf "überraschende Aufschlüsse" verzichtet und im Unklaren lässt, wer hier lügt. Auf die Psychologie der Figuren geht Boyle weniger ein, erklärt die Kritikerin, er überlässt sie lieber der Vorstellung seiner Leser. Auch der Humor geht ihm diesmal ab, was Sternburg aber gar nicht stört: So spannend und rauschhaft es hier manchmal zugeht, so überwiegt doch der Eindruck von "Lethargie, Passivität" und "eruptiver Gewalt" - so liest die Kritikerin diese Beziehung auch als Allegorie auf das heutige Amerika, übrigens hervorragend übersetzt von Dirk van Gunsteren.  

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